Schachfigur
Björn Odendahl über Populisten, die Kirche und die Bedeutung des Kreuzes

Das Kreuz mit Markus Söder

Björn Odendahl über Populisten, die Kirche und die Bedeutung des Kreuzes

Von Björn Odendahl |  Bonn - 28.02.2018

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der CSU-Politiker Markus Söder mit vermeintlich guten Ratschlägen an die Kirche zu Wort meldet. Er wünsche sich mehr Kreuze im öffentlichen Raum, weil es nicht nur Zeichen der Konfession, sondern auch der Menschenwürde sei, sagte der designierte bayerische Ministerpräsident am Montag. Auch könnten die Kirchen ruhig etwas selbstbewusster sein, wenn es um ihren Missionscharakter ginge.

Genau dieser Markus Söder, der von Menschenwürde spricht und vom Selbstbewusstsein, wollte noch vor gar nicht allzu langer Zeit der Kirche einen Maulkorb verpassen. "Der Staat soll sich um seine Angelegenheiten kümmern, die Kirche um ihre", sagte er, als ihm die klare Positionierung der Bischöfe, Verbände und Hilfswerke in der Flüchtlingskrise nicht gefiel. Vom Kreuz, das die Menschenwürde repräsentiert, war dagegen nichts zu hören. Stattdessen sprach die CSU von Grenzschließungen, schnellen Abschiebungen und Aufnahmestopps.

Nichts spricht gegen Kreuze auch außerhalb von Kirchen und den eigenen vier Wänden, etwa in christlichen Schulen und Kindergärten, in Altenheimen und Krankenhäusern. Doch viel wichtiger als das Symbol selbst ist die Haltung, die es vermittelt: Selbsthingabe, Gottes- und Nächstenliebe. Christen dürfen sich und ihr Kreuz daher nicht für etwas instrumentalisieren lassen, das dieser Haltung geradezu widerspricht. Das Kreuz ist – anders als es auch AfD und Pegida suggerieren – kein Zeichen der eigenen Stärke und damit auch kein Kampfsymbol gegen den Islam. Es symbolisiert ebenso wenig das imaginäre Konstrukt des christlichen Abendlandes wie das einer deutschen Leitkultur.

Söder ist nicht der erste und der einzige, der versucht, das Kreuz auf diese Weise für sich zu vereinnahmen. Das wurde in der Debatte um abgehängte Kruzifixe in Gerichtssälen oder fehlende Brustkreuze bei Bischöfen in Jerusalem deutlich. Besonders perfide wird es aber dann, wenn der Kirche auch noch Versagen im scheinbaren "Kerngeschäft" der Glaubensverkündigung vorgeworfen wird. Denn hier geht es nicht um einen gut gemeinten Rat seitens besorgter Bürger oder Politiker, sondern um das Zünden einer Nebelkerze: "Eure Kirchen wären voll, wenn ihr über Jesus und nicht über Flüchtlinge sprechen würdet." Als gäbe es eine Wahl für Christen, ein entweder oder. Als würde man heute noch allein mit der Bibel in der Hand von der Apfelsinenkiste aus missionieren können statt durch gelebten Glauben. Politisches, gesellschaftliches und soziales Engagement lenkt nicht ab von der Glaubensverkündigung. Beides ist eins.

Von Björn Odendahl

Der Autor

Björn Odendahl ist Redakteur bei katholisch.de.

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