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Thomas Arnold über den Kampf gegen den Terror

Der Blick darf nicht beim IS enden

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Schachfigur
Bonn - Thomas Arnold über den Kampf gegen den Terror

Vor wenigen Tagen wurde meine Mitschülerin beerdigt. Sie war 29. Sie war jene deutsche Lehrerin, die beim Terroranschlag in Nizza vor zwei Wochen starb. Plötzlich und ohne Vorwarnung steht der Terror im eigenen Wohnzimmer, obwohl er doch hunderte Kilometer weit weg ist. Nur lähmend verwandelt sich die Sprachlosigkeit der ersten Tage in Wut; das Reden von Friedfertigkeit erscheint als Farce.

Würzburg, Ansbach und Saint-Etienne-du-Rouvray folgen. Die schändlichen Anschläge der letzten Tage in Kabul, Bagdad oder der syrischen Stadt Kamischli drohen aufgrund der kurzen Folge von Schreckensnachrichten in den Hintergrund zu rücken. "Wir sind im Krieg", sagte Papst Franziskus in diesem Zusammenhang in der vergangenen Woche. Auch er bedient sich angesichts der um sich greifenden Gewalt dieser Rhetorik, weil die Welt den Frieden verloren hat. Jedoch unterscheidet sich Papst Franziskus von allen, die nach Vergeltung, Abschottung und Ausgrenzung rufen. Er fordert stattdessen "eine zusätzliche Portion an Weisheit und Barmherzigkeit" und bietet als Lösung die Wahrnehmung der Ungerechtigkeit in unserer Welt.

Der Blick darf nicht beim IS enden. Stattdessen müssen wir uns fragen: Wie können wir Strukturen dauerhaft beseitigen, die Menschen die Hoffnung auf ein gutes Leben nimmt? Wie können wir daran mitwirken, dass nicht die Moschee, sondern die Ungerechtigkeit in der Welt als Ursache für die Gewalt verstanden wird? Ich bin davon überzeugt, dass neben allem nötigen politischen Engagement der interreligiöse Dialog die entscheidende Komponente auf diesem Weg darstellt.

Ja, es fällt angesichts dem Bewusstsein, die eigene Mitschülerin in diesem 'Krieg' verloren zu haben, schwer, auf Dialog und Barmherzigkeit zu setzen. Aber macht nicht genau das uns als Christen aus? Es ist nicht nur Sache der großen Politik, sondern von unserem eigenen Handeln. Natürlich müssen unsere Sicherheitsbehörden prüfen, wer ins Land kommt. Und ja, wir brauchen politisches Engagement, das IS in die Knie zwingt. Aber wir dürfen dabei nicht vergessen, dass dies nur gemeinsam gelingt. Mit unserem eigenen Tun wie auch als internationale Gemeinschaft tragen wir die Verantwortung, dass Menschen die Voraussetzungen für ein menschenwürdiges Leben erhalten. Vor Ort im Nahen Osten, Nigeria oder Eritrea. Aber wenn sie dort um ihr Leben fürchten müssen, eben auch bei uns. Lasst uns offen für jene Menschen bleiben, die ihrer Grundreche beraubt sind. Die Würde des Menschen und die Sehnsucht nach Frieden verlangen es – trotz aller Geschehnisse.

Hinweis

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