Schachfigur
Joachim Frank über einen Finanzausgleich der Bistümer

Heßes Ruf nach Solidarität ist berechtigt

Joachim Frank über einen Finanzausgleich der Bistümer

Von Joachim Frank |  Bonn - 14.02.2018

Manchmal, so scheint es, gibt es in der Kirche nichts Peinlicheres, als mit der Bibel zu kommen. Besonders wenn es ums Geld geht. Von sechs Milliarden Euro Kirchensteuer in der Hand ihrer deutschen Nachfolger (katholisch) hätten sich die Apostel noch nicht einmal einen Begriff machen können. Trotzdem enthält der Bericht über das Leben der Jerusalemer Urgemeinde Textstellen, die den Bischöfen gerade jetzt in den Ohren klingeln müssten, auch wenn sie erst am Dienstag nach Ostern wieder im Gottesdienst gelesen werden: "Alle, die glaubten, … hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und teilten davon allen zu, jedem so viel, wie er nötig hatte" (Apg 2,44f). Im 27er-Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) geht es genau anders herum zu: Sie behielten alles für sich und glaubten, teilen hätten sie nicht nötig.

Eine Polemik? Aber sicher! Schließlich gibt es doch einen gemeinsamen Topf aller Bistümer, und ja, da sind mehr als 120 Millionen Euro drin. Korrekt wäre es also zu sagen: Sie behielten fast alles für sich. Doch im Ernst: Die Kirchenfinanzierung in Deutschland muss anders werden. Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße hat es soeben formuliert: "Die Diözesen sollten gemeinsam über einen weiterführenden Finanzausgleich nachdenken. Es gibt nun mal starke und schwache Diözesen. Aber die Bistümer gehören alle zur katholischen Kirche. Sie sollten in Solidarität zueinander stehen." Kleiner Schönheitsfehler dieses Appells: Es ist ein Hilfeschrei aus selbst verschuldeter Not, dem Versagen des Schulwesens im Erzbistum.

Dennoch ist Heßes Ruf nach Solidarität ebenso berechtigt wie seine Berufung auf die Ungleichheit der Lebensverhältnisse. Hier hat der säkulare Vater Staat Mutter Kirche (mal wieder) etwas voraus: Das Grundgesetz erhebt die "Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse" zum Verfassungsgebot. Übertragen auf die Kirchenlandschaft, folgten daraus ein Bistumsfinanzausgleich sowie eine Stärkung der überdiözesanen Kompetenzen. Ersteren gibt es nur in minimalem Umfang, letztere findet nicht statt, im Gegenteil. Der Etat des VDD ist in einem gewollten, krassen Sinkflug.

Statt dass die Bischöfe die Prinzipien der katholischen Soziallehre – Solidarität und Subsidiarität – miteinander vorleben, wirtschaftet jeder unverdrossen vor sich hin. Und wie sich aktuell in den Bistümern Hamburg oder in Eichstätt zeigt; und wie es zuvor die Fälle Berlin oder Limburg offenbart haben, muss es leider zu oft heißen: Sie misswirtschaften vor sich hin. Gegenmaßnahmen wären Mitbestimmungs- und Kontrollgremien wie ein vom ZdK ins Gespräch gebrachter Bundeskirchensteuerrat oder gar ein katholischer Bundesrechnungshof.

Nicht nur in spirituellen, sondern auch in finanziellen Angelegenheiten gilt das Wort: "Wir werden das Christentum nur gemeinsam zukunftsfähig gestalten können – nicht nebeneinander her, und schon gar nicht gegeneinander." Wer das gesagt hat? Einer, der weiß, wovon er redet: Klaus Pfeffer, Generalvikar des Bischofs von Essen.

Von Joachim Frank

Der Autor

Joachim Frank ist Chefkorrespondent des "Kölner Stadt-Anzeiger", der "Berliner Zeitung" und der "Mitteldeutschen Zeitung". Außerdem ist er Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands (GKP).

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