Schachfigur
Gudrun Lux über Gender-Mainstreaming

Keine Angst vor "Gender"!

Gudrun Lux über Gender-Mainstreaming

Von Gudrun Lux |  Bonn - 10.08.2016

Großes Drama, dieses "Gender". Von "Wahn" und "Terror" ist zu lesen. Erst unlängst wieder, verbreitet durch die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA), durfte ein Wallfahrtsdirektor aus Bayerisch-Schwaben lauthals über die "Gender-Ideologie" schimpfen, die gemeinsam mit dem Kapitalismus und dem Islamismus die Schuld daran trüge, dass die Welt aus den Fugen gerate. Oje! Was ist das bloß, dieses "Gender"?

Tief durchatmen und keine Angst vor Erkenntnissen. "Gender" ist erstmal nur ein englisches Wort und bezeichnet das grammatische Geschlecht - die Unterscheidung macht auch das Lateinische mit "sexus" und "genus" - sowie das "soziale Geschlecht". Das muss nämlich nicht zwingend identisch sein mit dem biologischen. Die viel gescholtenen "Gender studies" beschäftigen sich genau mit diesem Thema, dem sozialen Geschlecht.

Nun ist das soziale Geschlecht gar nicht so festgezurrt und "natürlich", wie manche uns glauben machen wollen, sondern unterlag im Laufe der Zeiten stets einem Wandel. Denn Gender meint auch die sozialen Geschlechtsmerkmale: Etwa die Kleidung, den Beruf, die Aufgaben in Familie und Gesellschaft. Und genau da kann man ansetzen, mal genauer hinschauen.

In den vergangenen Jahrhunderten hat sich da ganz schön viel verändert. Ein einfaches Beispiel: Dass Frauen Hosen tragen ist vielleicht praktisch, vielleicht schick - und vor allem einfach deren individuelle Entscheidung. Nur wenige werden noch dagegen protestieren. Analog dazu: Dass Frauen zu Hause bleiben, sich dort um die Kinder kümmern und den Haushalt führen, ist eine ziemlich neue Entwicklung, die hierzulande eine Zeit lang als normal oder gar erstrebenswert galt. Natürlich war dies weder ein Modell für alle Zeiten noch für alle Orte dieser Welt. Deshalb gibt es auch nichts "Unnatürliches" oder Falsches daran, dass dies heutzutage für viele Menschen kein passendes Lebensmodell ist.

Gender Mainstreaming ("Mainstream" bedeutet Handlungsstrategie) wurde noch unter Helmut Kohl von der CDU erstmals als Ziel der Bunderegierung formuliert und es ist lediglich eine Strategie, die dafür sorgen soll, dass Männer und Frauen gleichberechtigt leben können und von vorne herein Ungleichbehandlungen ausgeschlossen werden. Davor muss man sich eigentlich nicht fürchten. Denn was könnte es besseres geben, als dass sich alle Menschen, unabhängig von ihrem biologischen Geschlecht, in der Gesellschaft frei entfalten und sie mitgestalten können? Ganz im Sinne der Bibel übrigens, da heißt es doch im Brief an die Galater: "Ihr seid nicht mehr Sklaven und Freie, Männer und Frauen; ihr seid alle eins in Christus."

Die Autorin

Gudrun Lux ist freie Journalistin, Autorin und Kommunikationsberaterin in München.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

Von Gudrun Lux