Schachfigur
Sophia Kuby über die Augsburger "Mehr"-Konferenz

Mehr Christus

Sophia Kuby über die Augsburger "Mehr"-Konferenz

Von Sophia Kuby |  Bonn - 07.01.2016

Wer in der Kirche bei uns in Deutschland kann heute noch ganz normale junge Menschen für Christus begeistern? Wo in Deutschland lädt jemand zu einer Konferenz über den Glauben ein und über 6.000 junge Leute kommen? Geschafft hat das diese Tage zum wiederholten Male die "Mehr"-Konferenz, eine Initiative des Gebetshauses Augsburg, das so in gar kein Klischee passen will.

Nicht liberal, nicht konservativ, überkonfessionell und erfrischend unetabliert präsentiert sich das Event. Weit und breit hört man nichts von Dialogprozessen, kirchenpolitischen Befindlichkeiten oder Strukturfragen. Stattdessen geht es um Christus, darum, wie eine Beziehung mit ihm konkret aussieht und wohin sich das eigene Leben entwickelnt kann, wenn man mit Ihm lebt. Es geht eben um MEHR. Mehr Gottesbeziehung, mehr Liebe, mehr Sehnsucht, mehr Freiheit, mehr Gebet.

Der Name ist Programm und der Initiator und Ideengeber Dr. Johannes Hartl vermag es tatsächlich, etwas von dem zu vermitteln, was derzeit nur sehr schwer in der Kirche zu finden ist: die Sehnsucht nach Christus in jungen Menschen zu wecken und Glauben als eine Antwort auf unsere tiefsten Wünsche anzubieten, anstatt einen moralischen Verhaltenskodex in den Mittelpunkt zu rücken, der einen zu einem möglichst braven Mitmenschen macht, der am besten keine Ecken und Kanten, vor allem aber keine brennende Sehnsucht in sich trägt. Die Frage nach der moralischen Qualität des eigenen Verhaltens folgt ganz natürlich, wenn lebendiger Glaube da ist. Ohne die Entdeckung, dass Christus die Erfüllung der tiefsten menschlichen Sehnsucht ist, begeistern sich heute nur noch wenige für moralische Fragestellungen oder Infragestellung des eigenen Verhaltens.

In diesem Sinne setzt die MEHR Konferenz klare Prioritäten. First things first. Sie zeigt konkret, lebendig und auch unterhaltsam, wie eine Beziehung mit Christus entdeckt und gelebt werden kann. Die Kirche wurde zu allen Zeiten davon getragen. Aber in unserer Generation und in Deutschland ist dies durchaus ein frischer Wind, der uns guttut.

Die Autorin

Sophia Kuby ist Direktorin des EU-Büros der internationalen Menschenrechtsorganisation ADF International.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

Von Sophia Kuby