Schachfigur
Günter Assenmacher über die Sprache Donald Trumps

Trump verdient unseren Widerspruch

Günter Assenmacher über die Sprache Donald Trumps

Von Günter Assenmacher |  Bonn - 23.05.2018

Nicht auf der Titelseite, sondern unter "Wichtiges in Kürze", fand ich dieser Tage in meiner Tageszeitung eine Meldung, die alle Aufmerksamkeit verdient: Der Präsident der USA, Donald Trump, habe zwei Tage zuvor bei einem Treffen mit Bürgermeistern aus Kalifornien gesagt: "Viele Leute kommen ins Land oder versuchen zu kommen – wir halten viele von ihnen auf. Sie können sich nicht vorstellen, wie böse diese Leute sind. Das sind keine Leute, das sind Tiere..."

Die nämliche Zeitung vermeldete tags darauf, der Präsident lege Wert auf die Feststellung, er habe "nicht alle Migranten, sondern lediglich gefährliche Mitglieder der Gang MS-13 als 'Tiere' bezeichnet... Er werde nie aufhören, Mitglieder dieser oder anderer Gangs als 'Tiere' zu bezeichnen."

Ich habe über die Gang MS-13 recherchiert. Das Ergebnis hat mich tief erschreckt. Umso mehr bleibe ich meinen Lehrern sehr dankbar dafür, dass sie uns für die Zusammenhänge von Wahrheit, Denken und Sprache sensibilisiert haben. Ich habe behalten: Falsche Vorstellungen von der Wahrheit führen zu einem falschen Denken, beides äußert sich in der Sprache. "Deine Sprache verrät dich" (vgl. Mt 26,73).

In der betreffenden Tageszeitung war auch ein kurzer Kommentar beigefügt: "Mit seiner Sprache bricht Trump mit [einem] zivilisatorischen Minimum. Wo bleibt der weltweite Aufschrei? Der Protest der vielen Christen, denen nichts heiliger ist als das ungeborene Leben?"

Den Seitenhieb hätte sich der Kommentator sparen können. In der Sache hat er jedoch uneingeschränkt recht. Eine solche Äußerung wie jene von Trump ist absolut untragbar. Selbst ein Verbrecher ist und bleibt ein Mensch. Kein Mensch hat das Recht, über andere Menschen zu sagen: "Das sind Tiere". Jeder, der Menschen als "Tiere" bezeichnet, jeder, der mit seinem Tun oder Lassen die Würde des Menschen nicht wahrt, der Menschen wie Tiere behandelt, verdient den eindeutigen Widerspruch aller Menschen guten Willens.

Von Günter Assenmacher

Der Autor

Prälat Günter Assenmacher ist Domkapitular in Köln und Offizial für die Bistümer Köln, Essen und Limburg.

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