Ein Jäger im Wald hält sein Gewehr am Anschlag
Über den heiligen Hubertus und Jagd aus christlichem Geist

Warum sich Jagen und Glaube nicht ausschließen

Am 3. November gedenkt die Kirche des heiligen Hubertus, der vor über 1.200 Jahren bei der Jagd zum Glauben bekehrt wurde. Er wird als Patron der Jäger und Förster verehrt. Doch in Zeiten der Massentierhaltung beziehen sich auch die Gegner der Jagd auf ihn.

Von Roland Müller |  Bonn - 16.10.2019

Wer Anfang November einen katholischen Gottesdienst besucht, sollte sich nicht wundern, falls die Orgel schweigt und stattdessen grün gekleidete Jagdhornbläser die Liturgie begleiten. Die katholische Kirche feiert am 3. November den Gedenktag des heiligen Hubertus von Lüttich (um 655 bis 727). Es ist eine Tradition in ländlichen Gebieten Mitteleuropas an diesem Tag eine Messe zu seinen Ehren zu feiern - meist mit Unterstützung der örtlichen Jägerschaft.

Patron der Jäger und Förster

Nach einer Legende hatte Hubertus bei der Jagd eine Begegnung der besonderen Art: Als der junge Adelige sich an einen prachtvollen Hirsch heranschlich um ihn zu erlegen, soll im Geweih des Tieres ein leuchtendes Kreuz erschienen sein. Eine Stimme sagte dem Jäger, er müsse sein ausschweifendes Leben ändern und zu Gott umkehren. Hubertus folgte dem Aufruf des Hirsches, in dem er die Stimme Christi erkannte. Er wurde Einsiedler, Missionar und ließ sich zum Priester weihen. 705 wurde er als Bischof von Maastricht eingesetzt und verlegte 717 seinen Bischofssitz nach Lüttich um in den nahegelegenen Ardennen den Glauben zu verbreiten. Im Mittelalter stieg Hubertus zu einem der wichtigsten Heiligen auf und wird seither als Patron der Jäger und Förster verehrt.

Der Heilige aus dem Wald

Die Bekehrung des heiligen Hubertus. Ein Teil aus dem Altarbild von Werden um 1485 (National Gallery, London).

Zur Zeit des heiligen Hubertus war die Jagd eine Selbstverständlichkeit. Das einfache Volk beschaffte sich so die lebensnotwendige Nahrung. Für den Adel stellte die Jagd eine beliebte Freizeitbeschäftigung dar. Heute leben wir in Zeiten von Massentierhaltung und moderner Landwirtschaft und damit eines Überangebots an Lebensmitteln. Die Jagd hat ihre ursprüngliche Funktion der Nahrungsbeschaffung also verloren. Als Folge steht sie in der Kritik und muss sich legitimieren.

Auch die Jagd-Kritiker beziehen sich auf den heiligen Hubertus, der sich nach einigen Versionen der Legende als Folge seiner Begegnung mit dem Hirsch von der Jagd abgewandt haben soll. Besonders radikale Gegner des Fleischkonsums und der Tiertötung fordern ein Verbot der Jagd. So ziehen Mitglieder der Initiative „Christen für Tiere“, die zur internationalen Tierrechtsorganisation PETA gehört, einen Vergleich mit Allerheiligen und Allerseelen. An diesen beiden Tagen richtet die katholische Kirche ihren Blick auf das jenseitige Leben des Menschen. Die Tieraktivisten halten es für unchristlich, Tiere zu töten, und fordern einen Gedenktag für die getöteten Tiere unter dem Namen "Allertieren".

Wäre der 3. November als Hubertustag ein geeigneter Termin für einen solchen Tag, sodass Allerheiligen, Allerseelen und Allertieren in einer zeitlichen Abfolge als Totengedenktage stünden? Wohl nicht, denn die Lehre der katholischen Kirche ist hier eindeutig: Tiere sind den Menschen nicht gleichgestellt und besitzen kein absolutes Recht auf Leben. Trotzdem betont die Kirche ihre Würde als Geschöpfe Gottes. Kein Tier darf gequält oder sinnlos getötet werden. Heilige wie Franz von Assisi, der zu den Vögeln gepredigt haben soll, oder eben Hubertus zeugen von einer besonderen Beziehung von Gottesleuten zu unseren tierischen Mitgeschöpfen.

Die Hubertusmessen sind ein Zeichen der Verbindung von Jagd und christlichem Glauben. Auch für Hans-Clemens Köhne schließen sich beide nicht aus. Eine Jagd aus christlichem Geist muss mit Respekt vor der Schöpfung geschehen, findet der promovierte Jurist. Der engagierte Freizeit-Jäger und praktizierende Katholik schätzt an der Jagd die über Jahrhunderte gewachsene Tradition und die große Naturverbundenheit.

Linktipp: Der Heilige aus dem Wald

Hubertus lebte vor seiner Priesterweihe als Einsiedler und ernährte sich durch die Jagd. Auf den Heiligen gehen allerlei Jagdbräuche zurück.

Seiner Erfahrung nach sind Jäger Menschen, die Tiere mit großer Zuneigung und Sorge behandeln. Sie kümmern sich nicht nur um ihre Haustiere, sondern hegen und pflegen auch das Wild in der Natur. Denn schließlich müsse die Jagd dem Wohl der Tiere dienen, urteilt Köhne, der ehemalige Vorsitzende des Pfarrgemeinderats seiner Kirchengemeinde im Bonner Stadtteil Bad Godesberg.

Zahlreiche Vorschriften

Das mag zunächst merkwürdig klingen. Aber die Tötung durch einen sauberen Schuss des Jägers sei oft schonender für die Tiere, als an einer Krankheit zu sterben oder vom Raubwild erlegt zu werden. Zudem gibt es zahlreiche Vorschriften für den Abschuss. Viele Tiere dürfen gar nicht erlegt werden. Anders als ihre Artgenossen in der Massentierhaltung leben sie in ihrem natürlichen Lebensraum unter artgerechten Bedingungen. Besseres Bio-Fleisch gibt es sozusagen nicht, wie Jäger oft betonen.

Von Roland Müller

Dieser Artikel wurde 2016 erstmals veröffentlicht und nun aktualisiert.