Franz von Assisi

Armer, reicher Heiliger

Bonn - 28.02.2015

Kaum ein Heiliger hat bis heute eine solche Anerkennung gefunden wie Franz von Assisi (1181/82-1226). Vielseitig und beliebt ist er: als Patron der Armen, Blinden, Lahmen, Strafgefangenen, Sozialarbeiter und Schiffbrüchigen; außerdem dient er als Vermittler zwischen den unterschiedlichen Religionen. Papst Johannes Paul II. erklärte ihn im Jahr 1980 zudem zum Patron des Umweltschutzes und der Ökologie - im selben Jahr, als in Deutschland die Grünen auf der politischen Landschaft erschienen.

Franziskus' Gedenktag - der 4. Oktober - wird weltweit außerdem als Tierschutztag begangen. Sein Lebensthema war die bedingungslose Nachfolge Christi. Arm wollte er es dem armen Christus gleichtun. Nicht nur den Menschen, sondern auch Tieren, Pflanzen und der gesamten Natur wollte er das Evangelium von der Liebe Christi verkündigen. Und mit dieser Botschaft gewann er schon zu Lebzeiten keineswegs nur Freunde.

Der eigene Vater verstieß ihn. 1206 enterbte Pietro Bernardone seinen Sohn vor den Augen des Bischofs von Assisi. Der wohlhabende Kaufmann hatte sich das Leben seines Sohnes Giovanni Battista Bernardone anders vorgestellt. Er wollte ihn zum Kaufmann machen und ließ ihm eine gute Ausbildung zuteilwerden. Der Sohn lernte Lesen, Schreiben, Rechnen, Latein und Französisch.

Gebet und strenger Verzicht

Nach einer unbekümmerten Jugend und ehrgeizigen Träumen von hohen Ritterwürden wurde Franz von Assisi 1205 durch das Miterleben eines Kriegszuges in Apulien krank und innerlich umgewandelt. Bei einem Gebet in San Damiano fühlte er sich von der dortigen Kreuzikone persönlich angesprochen. Die Legende berichtet, Christi Stimme habe zu ihm gesprochen: "Franziskus, geh und baue mein Haus wieder auf, das, wie du siehst, ganz und gar in Verfall gerät." Sodann führte Franz von Assisi ein mönchisches Büßerleben in Gebet und strengem Verzicht und stellte zerfallene Kapellen in seiner alten Heimat wieder her.

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Ein Porträt des Gründers des Franziskanerordens, der bereits zwei Jahre nach seinem Tod heiliggesprochen wurde.  

Fortan zog er als Wanderprediger durch das Land, wie einst Jesus in Armut und Demut. Bei den einen, insbesondere auch dem hohen Klerus, erntete er dafür nur Hohn und Spott, andere schlossen sich ihm an: Sie trugen das Gewand der armen Leute - eine grobe Tunika mit Kapuze und einen Strick als Gürtel.

Der Nährboden für die armen oder "minderen" Brüder, wie Franziskus sie selbst nannte, war im 13. Jahrhundert bereitet. Die Gesellschaft befand sich im Umbruch. Die Städte blühten auf, die Menschen zog es weg von den bäuerlich dominierten Strukturen, hin zu städtischen Lebensformen. Das zeitigte dramatische Veränderungen in allen sozialen und wirtschaftlichen Bereichen. Der Gegensatz zwischen Arm und Reich wuchs, Autoritäten wurden hinterfragt und die Kritik an der unfrommen und ausschweifenden Lebensweise auch hoher kirchlicher Würdenträger nahm zu.

Empfang der Wundmale

Die neue Saat der Bettelorden ging auf. Doch damit standen Franziskus und seine Gefährten dem Glanz und der Glorie von Papsttum und höfischem Zeremoniell entgegen. Aber was keiner für möglich hielt, geschah: Papst Innozenz III. gewährte Franziskus 1209 eine Audienz. Und das Kirchenoberhaupt erkannte die Regel der armen "Franziskaner" an. Ein Traum soll dafür den Ausschlag gegeben haben: Innozenz habe gesehen, wie der arme Franz von Assisi die reiche, aber kippende Kirche stützte. Damit gewann die arme Bewegung selbst an Macht, bald schlossen sich ihr auch Frauen an.

Gedenktag: 4. Oktober

Patron von Italien und Assisi; der Armen, Lahmen, Blinden, Strafgefangenen, Schiffbrüchigen und Umweltschützer; der Weber, Tuchhändler, Schneider, Kaufleute, Flachshändler, Tapetenhändler, Sozialarbeiter; der Sozialarbeit und des Umweltschutzes; gegen Kopfweh und Pest

1219 reiste Franz als Missionar nach Palästina und schloss sich dem Kreuzfahrerheer an, das auf dem Weg nach Ägypten war. Er versuchte mit dem Sultan während des fünften Kreuzzugs in Gesprächen Frieden zu schaffen. Erfolg hatte er zwar nicht damit, aber seine Mission wurde legendär. Nach seiner Rückkehr stellten sich neben gesundheitlichen Problemen jedoch auch Schwierigkeiten mit seinem Orden ein. Er fand die Ordensbrüder in Uneinigkeit vor und trat daraufhin von der Leitung der Gemeinschaft zurück.

Zwei Ereignisse vor seinem Lebensende halten sein Andenken bis heute jedoch überaus lebendig. 1224 empfing er auf dem Berg La Verna die Wundmale Christi. Und ein Jahr zuvor erfand Franziskus das Weihnachtskrippenspiel - mit lebenden Figuren. In einer Felsnische bei Greccio standen zwei Tiere: ein Ochse und ein Esel. Mit ihnen und seinen Brüdern stellte Franz das Weihnachtsgeschehen nach. Als Franziskus am Abend des 3. Oktober 1226 in der Portiuncula-Kapelle starb, war es für ihn wie ein Triumphzug. Frei und unbeschwert kehrte er zu seinem Schöpfer heim.

Von Markus Schüppen

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