Ein Kardinal in Samthandschuhen
Ein satirischer Wochenrückblick von Björn Odendahl

Ein Kardinal in Samthandschuhen

War's das? - Ein satirischer Wochenrückblick von Björn Odendahl

Von Björn Odendahl |  Bonn - 02.09.2017

Die Indizien waren schon lange da: unkontrollierte Aggressivität ("Wer meine Mutter beleidigt, den erwartet ein Faustschlag"), widersprüchliche Aussagen ("Amoris laetitia", Fußnote 351) und vor allem – der Hang zu Selbstgesprächen ("Der Herr antwortet mir nicht"). Aber erst jetzt ist offiziell, was Konservative schon lange wussten: Papst Franziskus hat einen an der Waffel! Im Alter von 42 Jahren habe er für sechs Monate einmal in der Woche eine Psychoanalytikerin konsultiert, gestand er in einem Interview-Buch. Wir notieren: Die Indizien sprechen gegen einen Therapieerfolg.

Homosexuellen darf man dagegen heute keine Therapie mehr anraten. Das weiß auch Kardinal Robert Sarah, der Mann für die sensiblen Themen der Kirche. Also hat er prompt die Samthandschuhe ausgepackt. Als verliefe die Christopher Street quer durch den Vatikan, formuliert er frei von jeglicher Diskriminierung: Jeder Unverheiratete – ob schwul, lesbisch, hetero oder alles drei – müsse sexuell enthaltsam leben. Bäm! Ein "High-Five" für die Gleichberechtigung – in Samthandschuhen! Was der Leser allerdings nicht sehen konnte: Wie sich der Kardinal beim Niederschreiben dieses Satzes selbst anerkennend auf die Schulter klopft (Samthandschuhe abgelegt) und flüstert: "Robert, du Teufelskerl! Jetzt darf nur niemand bemerken, dass Homosexuelle gar nicht kirchlich heiraten dürfen."

Mit weitaus weniger Geschick als der Kardinal – quasi wie ein Elefant im Porzellanladen – ging ein Generalvikar in Indien vor. Er ließ eine solche Horde Hindus mit Elefantengott Ganesha im Schlepptau durch seine katholische Kirche trampeln, dass Hannibals Alpenüberquerung dagegen wie ein Kindergeburtstag ausgesehen haben muss. Der Bischof beklagte, Gläubige seien dabei "verletzt" worden. Ob emotional oder unter dem Gestampfe eines Elefantenfußes ist nicht überliefert. Jedenfalls ging die Geschichte so aus: Hindus wieder weg, Generalvikar auch weg – und Jesus hoffentlich beruhigt. Denn mal ehrlich: Im Duell Mann gegen vierarmigen Elefanten hätte er eher alt ausgesehen.

Wo wir gerade von alt reden. Der Franzose erwartet mal wieder Hilfe vom Amerikaner. Aber keine Angst: Diesmal sind nicht wir Deutschen schuld, sondern der Zahn der Zeit. Denn in der altehrwürdigen Kathedrale Notre-Dame bröckelt es an allen Ecken und Enden. Dass man in Paris ausgerechnet auf Spenden von US-amerikanischen Wohltätern setzt, ist allerdings mehr als überraschend. Eventuell darf man dem sonst eher wenig kulturinteressierten US-Touristen einfach nicht verraten, dass am Ende der langen Schlange in der Kathedrale nur eine kleine Hostie statt eines All-you-can-eat-Menüs auf ihn wartet.

Kaputte Kirchen, kaputte Päpste: Bei all dem Ärger in der katholischen Welt mag man ja fast lieber evangelisch werden. Zumal die Glaubensbrüder irgendwie auch sehr katholisch sind, wie eine neue Studie ergeben hat. Denn mehr als die Hälfte (52 Prozent) der Protestanten wollen nicht nur die Bibel, sondern auch die Tradition und das Lehramt als Richtschnur. Schade nur, dass sie beides nicht haben. Da bleibe ich doch lieber hier.

Von Björn Odendahl