Umfrage: Protestanten sind katholischer als gedacht

Allein die Schrift, allein durch den Glauben: Damit grenzte sich Luther von der katholischen Lehre ab. Doch nun stellt sich heraus: Im 500. Jahr der Reformation glauben viele Protestanten katholischer als gedacht.

Ökumene | Washington - 31.08.2017

Eine Mehrheit der Protestanten in den USA und Westeuropa neigt laut einer Umfrage in einigen zentralen Glaubensfragen offensichtlich katholischen Positionen zu. Das ist das überraschende Ergebnis einer Erhebung des US-Meinungsforschungsinstituts "Pew Research Center", die am Donnerstag in Washington vorgestellt wurde. Demnach stimmten 52 Prozent der Befragten der katholischen Lehrmeinung zu, Christen sollten nicht nur die Bibel als Richtschnur nehmen, wie es Luther lehrte, sondern auch Tradition und kirchliches Lehramt. Nur 46 Prozent bejahten das lutherische "sola scriptura"-Prinzip (die Schrift allein).

Das gleiche Bild ergibt sich für die Rechtfertigungslehre. Auch hier sprachen sich 52 Prozent der Protestanten für die traditionelle katholische Position aus, wonach sich der Mensch durch seinen Glauben und seine guten Taten vor Gott rechtfertigt, 46 Prozent teilten die klassisch-lutherische Auffassung, nur der Glaube allein rechtfertige den Menschen.

Deutlich mehr Zustimmung (77) erfährt das sogenannte sola-fide-Prinzip allerdings unter denjenigen Protestanten, die wissen, dass es sich hierbei um eine evangelische Überzeugung handelt. Auch in allen westeuropäischen Ländern mit Ausnahme Norwegens spricht sich laut "Pew Research Center" eine Mehrheit für Glaube und Werke aus. (tja)

Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2017