G. K. Chesterton
Bischof will Verfahren nicht weiter unterstützen

Keine Seligsprechung für Autor der "Pater Brown"-Romane

Gilbert Keith Chesterton ist nicht nur der Erfinder der Romanfigur "Pater Brown" – vielen gilt er als großer Verteidiger des katholischen Glaubens und sogar Heiliger. Doch die Hoffnung auf eine Seligsprechung hat sich nun zerschlagen.

Nottingham/Kansas City - 05.08.2019

Gilbert Keith Chesterton (1874-1936), Autor der bekannten "Pater Brown"-Romane, wird nicht seliggesprochen. Er erkenne Chestertons Güte und seine Fähigkeit zu evangelisieren an, könne das Verfahren aber nicht weiter unterstützen, schreibt der Bischof der englischen Diözese Nottingham, Peter Doyle, laut dem "Catholic Herald" (Montag) in einem Brief. Das Schreiben wurde demnach zuerst am Beginn der Konferenz der "American GK Chesterton Society" vergangenen Donnerstag in Kansas City verlesen. Doyle ist Bischof der Diözese, in der Chesterton starb. 2013 hatte er das kirchenamtliche Vorverfahren im Hinblick auf eine mögliche Seligsprechung gestartet. Bereits vergangenes Jahr wurde es abgeschlossen.

Drei Gründe nannte Doyle für seine Entscheidung: Erstens gebe es keine lokale Verehrung, "zweitens war ich nicht in der Lage, ein Muster persönlicher Spiritualität herauszuarbeiten". Das dritte und entscheidende Hindernis sei der Antisemitismus, der sich in einigen Werken Chestertons bemerkbar mache. In einem Anfang Juli veröffentlichten Interview mit der spanischen katholischen Wochenzeitung "Alfa y Omega" hatte Doyle gesagt, dass Chesterton, obwohl er entschieden gegen die Nazis war, das jüdische Volk in einigen seiner Schriften mit Stereotypen belegt habe. So schreibt Chesterton etwa in seinem 1920 verfassten Buch "Das Neue Jerusalem", dass das jüdische Volk einen eigenen Staat haben müsse, um "so weit wie möglich in einer jüdischen Gesellschaft zu leben, die von Juden regiert wird". Er trat auch dafür ein, dass Juden in der Öffentlichkeit Kleidung tragen, die sie von anderen abheben.

Vom Anglikaner zum katholischen Apologeten

Chesterton schrieb rund 80 Bücher, 200 Kurzgeschichten und 4.000 Essays. In seinen Werken wie "Orthodoxie" und "The Everlasting Man" setzte er sich mit der katholischen Theologie auseinander und verteidigte den Katholizismus. 1922 konvertierte er von der anglikanischen zur römisch-katholischen Kirche. Nach seinem Tod wurde er von Papst Pius XI. mit dem Titel "Fidei defensor" (Verteidiger des Glaubens) geehrt. Der 1974 anlässlich des 100. Geburtstags Chestertons gegründete Verein "The Society of Gilbert Keith Chesterton" bat Bischof Doyle 2009 um die Eröffnung des Seligsprechungsverfahrens.

Dessen Unterstützer betonen, Chestertons Schriften beeinflussten eine neue Generation Christen, die von seiner Verteidigung des katholischen Glaubens, der traditionellen Familie, der Heiligkeit des Lebens und der ökonomischen Gerechtigkeit angezogen werde. Bei ihnen sorgte die Entscheidung des Bischofs von Northampton für Enttäuschung. John Udris, der Postulator im Vorverfahren war, sagte dem "Catholic Herald", dass er Bischof Doyle nicht beneide, "eine Entscheidung mit solch enormen Auswirkungen treffen zu müssen". (mal)