Graphic Novel erscheint zur Seligsprechung

Bistum Limburg veröffentlicht "Comic" über NS-Märtyrer Henkes

Bistum Limburg veröffentlicht "Comic" über NS-Märtyrer Henkes
Bild: Bistum Limburg

Zur Seligsprechung des Pallottinerpaters Richard Henkes (1900-1945) am 15. September im Limburger Dom gibt das Bistum eine "Graphic Documentary" heraus - eine Art Comic für Erwachsene. Der Titel lautet "Und wenn die Wahrheit mich vernichtet", wie die Diözese am Dienstag in Limburg mitteilte.

Die Berliner Autoren und Illustratoren Alexandra Kardinar und Volker Schlecht erzählen demnach auf Grundlage historischer Geschehnisse und überlieferter Briefe den Lebensweg Henkes, der im KZ Dachau starb. Zudem hätten sie "eine Rahmenhandlung im Hier und Jetzt erfunden". Eine Graphic Documentary oder Graphic Novel ist eine eigenständige Literaturform.

Martin Ramb, Abteilungsleiter für Religionspädagogik im bischöflichen Ordinariat, sagte: "Als ich davon hörte, dass Pater Henkes seliggesprochen wird, war mir sofort klar, dass wir einen Märtyrer der NS-Zeit unbedingt in einer unverbrauchten Sprache den Menschen von heute näherbringen müssen." Durch sein Zeugnis habe Henkes im KZ Dachau ein Stück Menschlichkeit verteidigt. Er habe gezeigt, "dass jeder und jede in der Zeit des Naziterrors auch anders hätte handeln können".

Gestorben wegen "Hasses gegen den Glauben"

Henkes wurde 1900 im Westerwaldort Ruppach geboren und 1925 in Limburg zum Priester geweiht. Er verteidigte das christliche Menschenbild gegenüber den Nazis. Seit 1931 war er als Prediger und Exerzitienleiter in Oberschlesien tätig. Mehrmals wurde er wegen regimekritischer Predigten bei der Gestapo angezeigt. Im April 1943 wurde er in Ratibor wegen "Aufwiegelung des Volkes von der Kanzel" verhaftet und ins KZ Dachau gebracht. Am 22. Februar 1945 starb er dort an den Folgen einer Typhus-Epidemie. Er hatte sich freiwillig als Pfleger für Kranke im sogenannten Tschechen-Block gemeldet und sich dort angesteckt. Papst Franziskus hatte Henkes im vergangenen Dezember als Märtyrer des christlichen Glaubens anerkannt. Er sei im KZ wegen "Hasses gegen den Glauben" gestorben, heißt es in dem entsprechenden Dekret.

Als Vertreter des Papstes will Kurienkardinal Kurt Koch am 15. September Richard Henkes im Limburger Dom seligsprechen. Es wird zugleich die erste Seligsprechung im Bistum sein, da diese noch bis 2005 ausschließlich im Vatikan statt in den Ortskirchen stattfanden. Das Seligsprechungsverfahren hatte 2003 der damalige Limburger Bischof Franz Kamphaus eröffnet. Im Januar 2007 waren die erste Etappe des Seligsprechungsverfahrens im Bistum Limburg abgeschlossen und die Unterlagen nach Rom geschickt worden. (tmg/KNA)