Unglaublich, aber wahr
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Christoph Kreitmeir über das Sonntagsevangelium

Unglaublich, aber wahr

Im heutigen Sonntagsevangelium lobt Jesus ausgerechnet – einen untreuen Verwalter. Dieser Prediger aus Nazareth kennt wirklich alle Facetten des Lebens, stellt unser Autor Pfarrer Christoph Kreitmeir erfreut fest. Und Christen sollten daraus ihre Lehren ziehen.

Von Christoph Kreitmeir |  Ingolstadt - 21.09.2019

Impuls von Christoph Kreitmeir

Der Fuchs gilt in den Märchen immer als der Schlaue, der Listige, der im Gefolge von Bär, Wolf, Hase, Rabe oder anderen Tieren immer gut abschneidet. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass die Bezeichnung "Reineke Fuchs" Folgendes bedeutet: Der durch seine Schlauheit Unüberwindliche. Interessant ist auch, dass gut 50 Prozent der Schlauheit des Fuches wohl von der Dummheit der Hühner oder Gänse herkommen... Wer Ohren hat, der höre...

Ab 2008 zog der finanzielle Crash der Lehman-Brother-Bank in den USA eine weltweite Bankenkrise nach sich. Unglaubliche Geldwerte wurden unwiederbringlich veruntreut, verschleudert, verbrannt. Kleinere Posten kamen unter die Räder, je höher aber in der Systemhierarchie, desto mehr wurden nicht nur Positionen, sondern auch Köpfe gerettet. Veruntreuer bekamen nicht selten auch noch hohe Abfindungen. Unglaublich, aber wahr ...
50 Prozent der Schlauheit des Fuchses kommen wohl von der Dummheit der Hühner und Gänse ...

Unglaublich, aber wahr ist, dass Jesus das Verhalten eines ungerechten Verwalters lobt, der zwielichtig und doch offensichtlich mit dem Vermögen, das ihm gar nicht gehört und über das er Rechenschaft ablegen muss, nach Gutsherrenart umgeht, es großzügig verschleudert und vor allem zu seinem eigenen Vorteil einsetzt.

Man traut seinen eigenen Ohren nicht, dass Jesus ihn lobt: "Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes." (Lk 16, 8) Eigentlich lobt Jesus nicht ihn und seine Hintertriebenheit, sondern er lobt sein Verhalten, das fantasievoll und mit allen Wassern gewaschen versucht, sich aus der misslichen Affäre zu stehlen. Sein illegales Verhalten wurde nämlich aufgedeckt und angezeigt.

Ich muss sagen, dass so ein Satz von Jesus mir diesen Mann aus Nazareth noch sympathischer macht, als er mir sowieso schon ist, denn er zeigt mir: Jesus kennt wirklich das Leben, alle Facetten davon. Man kann ihm nichts vormachen. Er durchschaut alles, entdeckt aber hinter jedem Verhalten die zielführende Absicht des Handelnden.

Für mich ist die zielführende Absicht dieses Verhaltens, dass jemand mit vorrübergehenden Werten wie z.B. Geld und Vermögen schlau wirtschaftet, dass man dadurch die unvergänglichen Werte wie das Himmelreich erwerben kann. Und das gilt es, zu verstehen, zu lernen und sich damit vertraut zu machen.

Der wohl berühmteste Fuchs in der Welt- und Literaturgeschichte ist der Fuchs aus dem "Kleinen Prinzen" von Antoine de Saint Exupéry. Dieser Fuchs wollte vom kleinen Prinzen "gezähmt" werden, was so viel bedeutet, wie, dass sie sich gegenseitig vertraut machten. Und womit man sich vertraut gemacht hat, dafür übernimmt man Verantwortung. Wer Ohren hat, der höre ...

Von Christoph Kreitmeir

Evangelium nach Lukas (Lk 16,1-13)

In jener Zeit sprach Jesus sprach zu den Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen. Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Denn du kannst nicht länger mein Verwalter sein.

Da überlegte der Verwalter: Was soll ich jetzt tun, da mein Herr mir die Verwaltung entzieht? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht und zu betteln schäme ich mich. Ich weiß, was ich tun werde, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin.

Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem anderen, zu sich kommen und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich schnell hin und schreib fünfzig! Dann fragte er einen andern: Wie viel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig!

Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte, und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes. Ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es zu Ende geht!

Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen Unrecht tut, der tut es auch bei den großen. Wenn ihr nun im Umgang mit dem ungerechten Mammon nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen? Und wenn ihr im Umgang mit dem fremden Gut nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das Eure geben?

Kein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

Der Autor

Der Priester Christoph Kreitmeir arbeitet in der Klinikseelsorge am Klinikum Ingolstadt und in der Erwachsenbildung.

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreibt ein Pool aus Ordensleuten und Priestern für uns.