Fürstin Gloria von Thurn und Taxis vor Nadelbäumen
Stellungnahme von Bischof Voderholzer sei für sie verbindlich

Gloria zieht Unterschrift unter papstkritischer Petition zurück

Konservative Katholiken fordern den Papst zur öffentlichen Buße auf. Die Internet-Petition trug auch die Unterschrift Glorias von Thurn und Taxis – bis jetzt. Ihr Diözesanbischof Rudolf Voderholzer, der "ein bedeutender Theologe ist", habe sie überzeugt.

Regensburg - 15.11.2019

Gloria von Thurn und Taxis hat ihre Unterschrift unter einer papstkritischen Petition konservativer Christen zurückgezogen. Zur Begründung verwies die Adelige am Freitag gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) auf eine Stellungnahme ihres Ortsbischofs Rudolf Voderholzer in Regensburg, der sich ebenfalls distanziert und sich gegen eine Bezugnahme auf Äußerungen von ihm verwahrt hatte.

Im Internet war Papst Franziskus nach der Amazonas-Synode zu öffentlicher Buße wegen angeblichen Götzendienstes aufgefordert worden. Das Kirchenoberhaupt habe "die heidnische Göttin Pachamama" im Petersdom angebetet, so der Vorwurf. Als Gewährsleute führte die Gruppe neben den deutschen Kardinälen Walter Brandmüller und Gerhard Ludwig Müller auch den Regensburger Bischof Voderholzer an. Dieser hatte bereits am Mittwoch "diesen Bezug und die mit ihm verknüpften Vorwürfe gegen Papst Franziskus" entschieden zurückgewiesen.

"Schlüssiger Begründungszusammenhang" nicht mehr gegeben

Gloria von Thurn und Taxis sagte der KNA, diese Stellungnahme Voderholzers sei auch für sie verbindlich, ein "schlüssiger Begründungszusammenhang" für sie in der Petition nicht mehr gegeben. "Ich hielt es daher für ein Gebot der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit, meine Unterschrift zurückzuziehen." Zu dem Vorwurf des Götzendienstes an den Papst erklärte sie: Im Lichte der Stellungnahme Voderholzers, "der ja ein bedeutender Theologe ist, sehe ich diese Angelegenheit natürlich gelassener. Man hat mich auch darauf aufmerksam gemacht, dass der Papst nichts anderes gemacht hat als die Jesuiten in China vor 300 Jahren, was zum großen Ritenstreit geführt hat."

Als Ritenstreit wird eine Auseinandersetzung bezeichnet, die mehrere Orden und der Papst im 17. und 18. Jahrhundert über die rechte Weise der Mission in Asien führten. Dabei ging es vor allem um die Frage, wie sehr sie der traditionellen chinesischen Kultur entgegenkommen dürften und etwa eine Verehrung des Konfuzius und der Ahnen auch bekehrten Chinesen gestattet bleiben sollte. Dies befürworteten die Jesuiten zunächst, andere Missionsorden aber nicht. Nach einem päpstlichen Verbot solcher Riten und Zeremonien wurde das Christentum vom chinesischen Kaiser verboten und in den Untergrund gedrängt, die Missionstätigkeit kam zum Erliegen. 1939 wurde das Ritenverbot durch Papst Pius XII. aufgehoben.

Im Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) bestimmte die katholische Kirche ihr Verhältnis zu anderen Religionen grundsätzlich neu: Die Kirche lehne "nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist", heißt es in der Erklärung "Nostra Aetate" von 1965. Sie solle "mit Klugheit und Liebe, durch Gespräch und Zusammenarbeit" sowie durch ihr christliches Zeugnis "jene geistlichen und sittlichen Güter und auch die sozial-kulturellen Werte, die sich bei ihnen finden, anerkennen, wahren und fördern". (KNA)