Der Jesuitenpater Klaus Mertes ist heute Direktor des Jesuitenkollegs St. Blasien.
Jesuit wendet sich gegen Spekulationen, er sei gedrängt worden

Pater Mertes: Abschied von Kolleg Sankt Blasien lange geplant

"Es liegt kein kirchenpolitisch relevanter Grund für meine Ablösung vor": Pater Klaus Mertes verneint Mutmaßungen, sein Ende am Jesuitenkolleg Sankt Blasien sei eine Art "Strafversetzung".

Sankt Blasien - 17.01.2020

Pater Klaus Mertes (65) wendet sich gegen Spekulationen, er sei gedrängt worden, die Leitung des Kollegs Sankt Blasien zum Schuljahresende abzugeben. "Genauso wenig wie es jemals richtig und angemessen war zu vermuten, ich sei von meinen Oberen 2011 'strafversetzt' worden wegen meiner Aufklärungsarbeit am Berliner Canisius-Kolleg, so liegt auch jetzt nicht irgendein 'eigentlicher', gar kirchenpolitisch relevanter Grund für meine Ablösung vor", teilte Mertes am Donnerstag mit.

"Es geht alles mit rechten Dingen zu"

Der Wechsel sei seit längerem vereinbart und geplant gewesen. "Es geht alles mit rechten Dingen zu." Er schaue voller Dankbarkeit auf eine "wunderbare Zeit" zurück. Er freue sich für das Kolleg auf einen "tollen Nachfolger" Pater Hans-Martin Rieder. Mertes ist seit Sommer 2011 Rektor der renommierten Jesuitenschule im Schwarzwald. Wie der Orden mitteilte, übernimmt im Sommer Rieder (39) die Kollegsleitung. Mertes werde nach einer Auszeit eine noch nicht näher beschriebene Aufgabe im Jesuitenorden übernehmen, erklärte der Provinzial der Jesuiten, Johannes Siebner.

Mertes war zuvor von 2000 bis 2011 Rektor des Jesuitengymnasiums Canisius-Kolleg in Berlin. Ehemalige Schüler waren 2010 an ihn herangetreten, um den Missbrauch durch zwei Patres der Schule anzuzeigen. Mertes wandte sich daraufhin in einem Brief an alle Schüler, die das Kolleg in den 1970er und 1980er Jahren besucht hatten. Dies löste eine bundesweite Debatte über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche aus.

Nachfolger Rieder absolviert zurzeit den letzten Abschnitt seiner Ordensausbildung im US-amerikanischen Portland, bevor er im Mai nach Sankt Blasien ziehen wird. Er ist 1980 im bayerischen Straubing geboren. Während seiner Schulzeit und über das Abitur 2000 hinaus war er unter anderem in der Katholischen Landjugend und in der Freiwilligen Feuerwehr seiner Heimatstadt engagiert. Nach dem freiwilligen Wehrdienst studierte er Finanz- und Wirtschaftsmathematik an der TU München. Dieses Studium führte ihn von 2006 bis 2009 ins Risiko-Controlling der Bayern LB. Parallel dazu studierte Rieder Philosophie an der Ordenshochschule in München. Im Anschluss trat er ins Noviziat der Jesuiten ein, gefolgt von einem zweijährigen Praktikum am Internat in Sankt Blasien. Anschließend absolvierte er sein Theologiestudium in Rom und war nach seiner Priesterweihe von 2016 bis 2019 als Kaplan und Studentenseelsorger in Göttingen tätig. (tmg/KNA)