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Geistlicher gab keinen Hinweis auf Ermittlungen gegen ihn

Bistum Fulda beurlaubt Pfarrer wegen Kinderpornografie-Verdachts

Auch als er für ein psychologisches Gutachten befragt wurde, erzählte der Pfarrer nichts von den Ermittlungen gegen ihn. Erst als die Staatsanwaltschaft das Bistum kontaktierte, erfuhr man dort von den Anschuldigungen – und handelte.

Fulda - 20.01.2020

Wegen des Verdachts des Besitzes von kinderpornografischem Material hat das Bistum Fulda einen Pfarrer aus dem Main-Kinzig-Kreis von allen Ämtern beurlaubt. Bischof Michael Gerber habe dem beschuldigten 52-jährigen Pfarrer zudem die Ausübung jeder priesterlichen Tätigkeit untersagt, teilte das Bistum am Montag auf Anfrage der Katholischen-Nachrichten-Agentur (KNA) mit. Der Mann war seit August 2007 Pfarradministrator in der katholischen Kirchengemeinde in Steinau-Marborn, zudem war er in der Kirchengemeinde Romsthal tätig. Der Sprecher des Priesterrats im Bistum Fulda, Pfarrer Michael Müller, zeigte sich entsetzt.

Anlass für das Vorgehen des Bistum war den Angaben zufolge eine aktuelle Information der Staatsanwaltschaft Hanau über ein Ermittlungsverfahren unter anderem wegen des Verschaffens und Besitzes kinder- und jugendpornografischer Schriften. Zuerst hatte die "Fuldaer Zeitung" (Montag) über den Fall berichtet. Die Beurlaubung des Priesters hatte der Fuldaer Generalvikar Christof Steinert am Sonntag im Gottesdienst in Steinau-Marborn verkündet.

Bereits früher habe es eine "Anschuldigung sexueller Beleidigung" gegen den Priester gegeben, für die er von der Staatsanwaltschaft 2004 mit einer Geldstrafe auf Bewährung belegt worden sei, so das Bistum weiter. Nach der Einholung eines psychologischen Gutachtens und angeordneter Therapie sei er "unter Auflagen" in Marborn eingesetzt worden.

Kein Hinweis des Priesters auf das laufende Verfahren

Im Herbst 2019 hatte Bischof Gerber, ohne dass es laut Bistum konkrete neuere Hinweise gegeben hätte, "im Rahmen der Begleitung" des Pfarrers ein erneutes psychologisches Gutachten beauftragt. Damit sollten die auf dem Hintergrund des ersten Gutachtens getroffenen Regelungen überprüft werden. "Umso erschütterter" habe sich der Bischof nun gezeigt, dass es "nicht einmal im Kontext der Vorbereitungen dieses Gutachtens einen Hinweis des Pfarrers auf das laufende Verfahren der Staatsanwaltschaft beziehungsweise die damit verbundenen Anschuldigungen gab", so das Bistum. Der 52-Jährige werde sich zusätzlich zur strafrechtlichen Verfolgung einem kirchenrechtlichen Verfahren stellen müssen.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hanau teilte auf Anfrage mit, dass "ein Verfahren gegen einen katholischen Pfarrer aus dem Main-Kinzig-Kreis, unter anderem wegen Besitzes von kinder- und jugendpornografischen Schriften, anhängig ist". Weitere Angaben, etwa zum Umfang der Ermittlungen, könnten vor dem Hintergrund des aktuellen Verfahrensstandes "aus Rechtsgründen nicht gemacht" werden.

Priesterrats-Sprecher Müller sagte der "Fuldaer Zeitung", er sei "schockiert und entsetzt" über die gegen seinen Pfarrerkollegen erhobenen Vorwürfe. "Dass jemand mit einer solchen psychischen Störung in der Seelsorge wirkt, macht mich fassungslos", sagte Müller.

Priester lebten wie alle Seelsorger in der Kirche vom Vertrauen der Menschen und arbeiteten in zahlreichen Einrichtungen mit und für Kinder. "Wir verkünden Jesus, der Kinder gesegnet und besonders in Schutz genommen hat", so Müller. Der jetzige Fall führe neu vor Augen, wie wichtig die seit Jahren laufenden Präventionsmaßnahmen in den Kirchengemeinden des Bistums seien. (KNA)