Ein Uhu aus dem Speyerer Dom
Drei Jungvögel im Nest

Große Freude über Uhu-Nachwuchs im Speyerer Dom

Letztes Jahr blieb das Nest noch leer – dieses Jahr war die Freude in Speyer umso größer: Gleich drei Jungvögel kamen im Gelege auf dem Speyerer Dom zur Welt und machen nun die Kathedrale unsicher – zunächst noch zu Fuß.

Speyer - 04.05.2020

Gleich drei Uhu-Küken sind in den Türmen des Speyerer Doms geschlüpft. Wie das Bistum Speyer am Montag mitteilte, sind die drei Vogelkinder bereits vier Wochen alt und in einem ehemals von Falken bewohnten Brutplatz in einem der Türme der Kathedrale zur Welt gekommen. Bereits im Vorjahr hatten die Dom-Uhus gebrütet, allerdings ohne Erfolg.

"Dass ein Uhu rund um den Dom jagt, konnten wir bereits beobachten und da es im letzten Jahr ein Gelege auf der Zwerggalerie gab, war die Hoffnung groß, dass es auch in diesem Jahr einen Brutversuch am Dom gibt“, so Sven Ofer, der für das Domkapitel als Sachverständiger tätig ist und seit 17 Jahren die Greifvögel am Dom betreut. Ehrenamtlich ist er als Vogel-Beringer für die Vogelwarte Radolfzell tätig. Zusammen mit dem Dom-Techniker Günter Frey hat er den Vögeln die Ringe angelegt. Über die nummerierten Ringe können die Vögel identifiziert und so systematisch verfolgt und erforscht werden.

Dom-Techniker Günter Frey mit einem frisch beringten Uhu-Küken

Dom-Techniker Günter Frey mit einem frisch beringten Uhu-Küken

Während ihrer sogenannten "Infanteriephase" sind die Uhu-Küken noch zu Fuß um ihr Nest unterwegs, erst in einigen Wochen werden sie flügge. Der Vogel-Sachverständige Ofer rechnet damit, dass sie dann auch anderen Kirchtürmen in der Region Besuche abstatten werden.

Uhus nach Lutherbibel nicht zum Verzehr geeignet

Der Uhu gehört in Deutschland zu den besonders streng geschützten Arten. Der Bruterfolg stelle daher einen besonderen Grund zur Freude dar, betont das Bistum in seiner Meldung. Uhus sind Eulenvögel und mit einer Körpergröße von 70 Zentimetern und einer Spannweite von bis zu 1,80 Metern die größten Eulen überhaupt. Seinen Namen verdankt der Uhu seinem markanten Ruf. Je nach Übersetzung wird der Uhu unter den nicht zum Verzehr geeigneten unreinen Vögeln im Alten Testament erwähnt. Die von Martin Luther mit "Uhu" übersetzen Vögel werden in der Einheitsübersetzung, in der keine Uhus vorkommen, allerdings mit anderen Tierarten identifiziert.

Immer wieder dienen Kirchtürme seltenen Vogelarten als Brutstätte. In den vergangenen Jahren haben die Hildesheimer Dom-Uhus für Aufsehen gesorgt: Seit 2014 brüten die Vögel in der niedersächsischen Kathedrale. Über eine Webcam konnte man die Jungvögel in den Vorjahren beobachten, außerdem veröffentlichte das Bistum 2018 erstmals einen Uhu-Fotokalender. Im Aachener Dom brüten Turmfalken, während im Kölner Dom Falken und Bussarde zur Taubenjagd eingesetzt werden. (fxn)