Ein unattraktives Angebot?
Pastor Christian Olding über das Sonntagsevangelium

Ein unattraktives Angebot?

Ausgelegt! - Wenn Jesus zur Kreuzesnachfolge aufruft, reagiert nicht nur der Apostel Petrus empört. Doch es ist gerade die Größe der Liebe, die dem anderen auch den Preis wahrer Freiheit zumutet, ist sich Pastor Christian Olding sicher.

Von Christian Olding |  Geldern - 29.08.2020

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Impuls von Pastor Christian Olding

Keiner kann sich vollkommen frei machen von dem, was die Umwelt prägt, in der wir leben. Auch wir atmen die Ideen ein, die in der Luft liegen. Und das geistige Großraumklima wird unter anderem vom Lustprinzip bestimmt, das dem Menschen auf diesem Wege ein erfülltes und glückliches Leben verheißt.

Wer sich erdreistet, dieses Lustprinzip in die Schranken zu weisen, wird als Unterdrücker der legitimen menschlichen Triebwünsche verdächtigt. Da hat es ein Jesuswort wie das heutige ziemlich schwer, auf ein begeistertes und aufnahmewilliges Publikum zu treffen. Wie soll man mit den Worten umgehen: "Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach"?

Gegen diese christliche Lebenshaltung hat bereits Friedrich Nietzsche schärfsten Protest erhoben, allerdings nicht, ohne eine Alternative bereitzustellen. Nietzsche erklärte das "Ich will" zur Leitkultur menschlichen Verhaltens.

Folglich sieht Nietzsche in Jesu Weg ans Kreuz und in seiner Aufforderung zur Selbstverleugnung den Ausdruck einer verklemmten Sklavenseele, von unwürdigem Duckmäusertum, von gebrochenem Lebenswillen. Für Nietzsche ist das Kreuz ein Fluch auf das Leben. Der Gekreuzigte kann nur als Aufruf gesehen werden, sich von ihm zu erlösen.

Für seinen Protest gegen den christlichen Glauben und das Kreuz gilt derselbe Vorwurf, den Jesus gegen Petrus erhebt: "Tritt hinter mich, du Satan! Ein Ärgernis bist du mir, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen." Jesus bleibt seiner Überzeugung treu, auf so faule Weise kann man nicht glücklich leben. Wer so überleben will, wird sein eigentliches Leben, seine Seele dabei vergeuden und verlieren.

Jesus hat sein Ende kommen sehen. Was macht ein Mensch, wenn er weiß, dass seine Wahrheit für ihn tödlich wird? Die Entscheidung für Gott kann im Leben ungeheuer schmerzlich werden. Wenn sich Eltern beispielsweise in der Erziehung ihres Nachwuchses fragen: Sollen wir unseren Kindern beibringen, sich im Leben auf den engen Schlangenpfaden der Anpassung zu winden, um Karriere zu machen? Oder sollen wir sie zu Charaktermenschen erziehen, die notfalls Widerspruch erheben und Nachteile auf sich nehmen?

Eine kleine Liebe wird auf diese Frage antworten wie Petrus auf die Leidensankündigung Jesu: "Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen!" Eine große Liebe wird sich auf die innere Würde richten und die Kinder ermutigen, konsequent ihre Überzeugung zu vertreten. Das ist Freiheit, die wirklich frei macht. Aber eben auch eine Freiheit, die ihren Preis hat.

Das Urteil Friedrich Nietzsches ist hart. Hoffentlich hat er uns Christen zu Unrecht verurteilt.

Von Christian Olding

Aus dem Evangelium nach Matthäus (Mt 16,21–27)

In jener Zeit begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären: Er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten und Hohepriestern und Schriftgelehrten vieles erleiden, getötet und am dritten Tag auferweckt werden.

Da nahm ihn Petrus beiseite und begann, ihn zurechtzuweisen, und sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Tritt hinter mich, du Satan! Ein Ärgernis bist du mir, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.

Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.

Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen? Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters kommen und dann wird er jedem nach seinen Taten vergelten.

Der Autor

Christian Olding ist Pastor in der Pfarrei St. Maria Magdalena in Geldern.

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bieten wir jeden Sonntag den jeweiligen Evangelientext und einen kurzen Impuls an. Die Impulse stammen von Ordensleuten und Priestern.