Georg Bätzing, Bischof von Limburg, am 27. April 2017 in Rüdesheim.
Fehler müssten gegebenenfalls eingeräumt und korrigiert werden

Bischof Bätzing: Voderholzer-Kritik wird Thema beim Synodalen Weg sein

Zur jüngsten Kritik Bischof Rudolf Voderholzers hinsichtlich des Synodalen Wegs hat sich nun auch der DBK-Vorsitzende Georg Bätzing geäußert. Zudem nahm er erstmals zur umstrittenen Vatikan-Instruktion zu Pfarreienreformen Stellung – und kündigte eine neue Form der konfessionsübergreifenden liturgischen Mahlgemeinschaft an.

Berlin - 03.09.2020

Die Kritik des Regensburger Bischofs Rudolf Voderholzer am Zustandekommen sowie am Inhalt eines synodalen Vorbereitungstextes zum Thema Frauen in der Kirche soll nach den Worten von Limburgs Bischof Georg Bätzing beim Synodalen Weg diskutiert werden. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) sagte dazu am Donnerstag in Berlin, Voderholzers Protestbrief sei beim Synodalpräsidium angekommen und zur Kenntnis genommen worden. Man müsse prüfen, ob es tatsächlich satzungswidrige Verfahrensfehler gegeben habe, gegebenenfalls müssten diese eingeräumt und korrigiert werden.

Voderholzer hatte in einem Offenen Brief beklagt, dass Textbestandteile publiziert worden seien, über die das Forum noch nicht beraten habe. Er selbst sei als Mitglied des Forums nicht einbezogen worden. Außerdem lasse der Text "jedes theologische Niveau vermissen". In dem Text heißt es unter anderem, Jesus habe Jüngerinnen und Jünger gehabt und niemanden geweiht. Daraus waren in dem Text Forderungen für die Stellung der Frau in der Kirche abgeleitet worden.

Bätzing betonte, beim Synodalen Weg müssten alle Standpunkte gehört werden und zur Geltung kommen, das Verfahren müsse völlig transparent sein. Erst in einer späteren Phase gehe es darum, auch anhand von Mehrheitsabstimmungen, einen möglichst breiten inhaltlichen Konsens zu finden. In diesem Zusammenhang bedauerte Bätzing abermals das Ausscheiden des Kölner Weihbischofs Dominikus Schwaderlapp aus dem Forum, das sich mit der Sexuallehre der Kirche befasst.

"Wir waren unvorbereitet auf dieses Papier..."

as umstrittene Vatikan-Papier zu Pfarreienreformen wird laut Bätzing Diskussionsthema bei den fünf Regionenkonferenzen des Synodalen Wegs an diesem Freitag sein. "Diese Instruktion kann höchstens der Anfang eines Gespräches sein und nicht das Ergebnis von Beratungen in Rom hinter verschlossenen Türen", sagte der DBK-Vorsitzende.

"Wir waren unvorbereitet auf dieses Papier und haben mit vielen Fragen und Irritationen, auch mit Empörung von Gläubigen zu tun gehabt - und diese Mischung habe ich auch selber beim Lesen erfahren", so Bätzing, der die Möglichkeit in den Raum stellte, dass das Papier bewusst in den deutschen Sommerferien veröffentlicht worden seien könnte - "aber das lasse ich mal offen". Der Text sei im ersten Teil ein "Papier des Mutes und des Aufbruchs", habe dann aber im Verlauf einen Bruch und sei ein "Rückfall in eine ängstliche, kasuistische Engführung von Rechtsnormen, die uns bei den Herausforderungen, vor denen wir stehen, nicht besonders hilft".

Die Instruktion der Kleruskongregation war am 20. Juli veröffentlicht worden. Das Schreiben setzt klare Grenzen für die Zusammenlegung von Pfarreien. Bestrebungen, die Leitung von Pfarreien Teams aus Priestern und gleichberechtigten kirchlich engagierten Laien anzuvertrauen, widerspricht die Instruktion. Laien können demnach zwar mitwirken an der Gemeindeleitung, doch tatsächlich leiten, verwalten, moderieren und koordinieren dürfen nur Priester. Ähnlich wie einen Tag vorher der Münstersche Bischof Felix Genn betonte auch Bätzing am Donnerstag, dass Kardinal Rainer Maria Woelki trotz seiner Mitgliedschaft in der Kleruskongregation im Vorfeld nichts von der Instruktion gewusst habe. Dies habe wohl auch daran gelegen, dass die eigentlich für das Frühjahr vorgesehene Versammlung der Kongregation Corona-bedingt ausgefallen sei. Die dadurch fehlende "weltkirchliche Einbindung" bei der Entstehung der Instruktion sei sicher "ein Webfehler des Papiers".

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer
Bild: © KNA

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer.

Zudem zeigte sich Bätzing besorgt über unterschiedliche Auffassungen in der katholischen und der evangelischen Kirche zur Frage der Zulässigkeit des assistierten Suizids. Er habe "ökumenisch hohen Gesprächsbedarf", sagte der Bischof. Er verwies dabei auf den evangelischen hannoverschen Landesbischof Ralf Meister, der sich für die Möglichkeit ärztlicher Hilfe bei der Selbsttötung ausgesprochen hatte. Bätzing sagte, in dieser Frage seien die beiden großen Kirchen bislang "fast mit einer Stimme" aufgetreten. Er wolle, dass es dabei bleibe. Er wisse auch, dass der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, ein hohes Interesse daran habe, "dass wir nah beieinander bleiben", sagte Bätzing und ergänzte: "Wir dürfen uns nicht leicht auseinander dividieren lassen."

Das Bundesverfassungsgericht hatte das seit 2015 geltende Verbot organisierter Beihilfe zum Suizid gekippt. Es sollte verhindern, dass Sterbehilfeorganisationen, aber auch Ärzte wiederholt Sterbewillige bei der Selbsttötung unterstützen, beispielsweise durch die Überlassung von Medikamenten. Beide Kirchen hatten 2015 das Verbot organisierter Suizidassistenz unterstützt. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts hatte die EKD ihre Position überarbeitet. Darin heißt es nun auch, dass "Grenzfälle", die keinen anderen Ausweg als die Selbsttötung für sich sehen, nicht allein gelassen werden dürften. Meister wurde deutlicher, indem er nach dem Urteil wiederholt sagte, es gebe ein Recht auf ein selbstbestimmtes Sterben. Zuletzt sagte er zudem, er könne sich den assistierten Suizid auch in kirchlichen Einrichtungen vorstellen.

Bätzing kritisierte dagegen das Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Die Urteilsbegründung lege nahe, dass Menschenwürde und Selbstbestimmung rein individualistisch zu deuten wären, sagte er. Er könne sich nicht vorstellen, "dass es assistierten Suizid in unserem Land gibt". Dass es Suizidbeihilfe in katholischen Einrichtungen gebe, sei momentan "undenkbar", ergänzte der DBK-Vorsitzende.

Neue Form der konfessionsübergreifenden liturgischen Mahlgemeinschaft

Der Ökumenische Kirchentag (ÖKT) in Frankfurt im Mai 2021 wird laut Bätzing trotz der Corona-Pandemie stattfinden. Der DBK-Vorsitzende erklärte, das Großereignis mit katholischen, evangelischen und orthodoxen Christen werde "unter den dann in Frankfurt geltenden Bedingungen" durchgeführt. "Der Kirchentag muss stattfinden und er wird stattfinden!", sagte Bätzing, der als Bischof von Limburg Mit-Gastgeber des Kirchentags ist. Bätzing kündigte für den ÖKT zudem eine neue Form der konfessionsübergreifenden liturgischen Mahlgemeinschaft an. Sie werde sich an einem Konsenspapier katholischer und evangelischer Theologen vom vergangenen September orientieren. Unter dem Titel "Gemeinsam am Tisch des Herrn" hatte damals der "Ökumenische Arbeitskreis" vorgeschlagen, dass die Kirchen es dem Gewissen der einzelnen Gläubigen überlassen sollten, ob sie an der Mahlfeier der je anderen Konfession teilnehmen.

Bätzing war am Donnerstag in Berlin zu einem Antrittsbesuch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammengetroffen. Der Limburger Bischof war im März zum neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz gewählt worden. Corona-bedingt war der Termin erst jetzt möglich. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen laut Mitteilung der DBK die gesellschaftlichen und politischen Auswirkungen der Corona-Pandemie. Bätzing habe die Bundeskanzlerin über die Herausforderungen für die Kirchen und die positiven Erfahrungen informiert, seitdem Gottesdienstbesuche wieder möglich sind.

Die Bundeskanzlerin würdigte laut Darstellung der Bischofskonferenz den Einsatz von Seelsorgern insbesondere in den Alten- und Pflegeeinrichtungen während des Lockdowns. Sie wünschte dem weltkirchlichen Sonntag der Solidarität mit den Leidtragenden, zu dem die Bischofskonferenz am kommenden Wochenende aufgerufen hat, gutes Gelingen. Angesichts der Ereignisse und Anti-Corona-Demonstrationen vom vergangenen Wochenende bekräftigten Merkel und Bätzing die Verantwortung aller, für den inneren Zusammenhalt der Gesellschaft zu sorgen. Im Gespräch gingen die Bundeskanzlerin und der Konferenzvorsitzende auch auf die aktuellen Fragen der Migration und die damit verbundenen Herausforderungen für die deutsche EU-Ratspräsidentschaft ein. Ausdrücklich dankte der Bischof Merkel für ihr humanitäres Engagement. (tmg/stz/KNA/epd)