Ein Gendersternchen liegt neben dem Kreuz auf einer Bibel
Inklusive Sprache schaffe neue Wirklichkeit – auch in der Kirche

Ordensfrau für Genderstern: Bewusstsein für Diskriminierung schaffen

Bewusstsein schärfen, Diskriminierung entlarven: Das leistet für Schwester Ulrike Soegtrop inklusive Sprache. Auch wenn Gendersterne und andere Lösungen für sie nicht perfekt sind, solle auch die Kirche auf geschlechtergerechte Sprache achten.

Dinklage - 03.02.2021

Die Benediktinerin Schwester Ulrike Soegtrop spricht sich für inklusive Sprache aus, um "Bewusstsein zu schärfen, Diskriminierungen zu entlarven und eine neue Wirklichkeit wachsen zu lassen". In einem Gastkommentar für das Internetportal "Kirche+Leben" am Dienstag bezeichnet sie Zeichen wie den Genderstern als "Ohnmachtsbekundung", die ausdrückten, dass Sprache unvollkommen sei: "Sie hinkt anthropologischen Einsichten und gesellschaftlichen Entwicklungen hinterher", so die Benediktinerin aus der Abtei St. Scholastika Burg Dinklage. Kirchliche Sprache sei dabei "noch extremer" als der allgemeine Sprachgebrauch: "Da sollten Frauen sich sogar bei der Anrede 'Brüder' und 'Söhne' angesprochen fühlen", zudem seien dadurch "blitzschnelle Entscheidungsprozesse" nötig, so die Schwester weiter: "Wenn von Kirchenbesuchern die Rede ist, sind Frauen wohl mitgemeint; von Messdienern – kommt drauf an; von Priestern – nein."

Auch in der Sprache der Bibel werde Frauen in den Worten kein Raum gegeben. Für Frauen sei das manchmal bis heute noch eine "(Demuts-)Leistung der Frauen, dies über sich ergehen zu lassen". Bis die geschriebene und gesprochene Sprache dem gewachsenen Bewusstsein nachkomme, sei "auch vom anderen Geschlecht Demut gefordert". Die heute verwendeten sprachlichen Markierungen seien "holprige Versuche […] endlich sprachlich abzubilden, was im Schöpfungsbericht grundgelegt ist: Gott schuf den Menschen männlich und weiblich", so Schwester Ulrike.

Die Diskussion um inklusive Sprache wird auch in der Kirche seit einigen Jahren geführt. So wurde in der 2016 veröffentlichten neuen Fassung der Einheitsübersetzung das griechische "adelphoi", "Brüder", als Anrede an einigen Stellen mit "Schwestern und Brüder" übersetzt. Bereits 2006 erschien die "Bibel in gerechter Sprache", in der unter anderem Frauen ausdrücklich benannt werden, wo aus dem sozialgeschichtlichen Hintergrund geschlossen werden kann, dass auch Frauen beteiligt sind, etwa bei Fügungen wie "Pharisäerinnen und Pharisäer". Die 2020 veröffentlichte Enzyklika "Fratelli tutti" ("Alle Brüder") von Papst Franziskus stieß wegen ihres Titels auf Kritik. "In einer Zeit, in der das Bewusstsein für die Macht von Sprache wächst, akzeptieren viele Frauen die Begründung nicht mehr, dass die männliche Form 'Fratelli' verallgemeinernd sei und sie mitgemeint seien", schrieb das Netzwerk "Catholic Women's Council" im September in einem Brief an den Papst. Ebenfalls im September 2020 sorgte die "Katholische studierende Jugend" (KSJ) mit dem Beschluss für Aufsehen, künftig "Gott*" mit Genderstern zu schreiben. (fxn)