Erzbischof Schick: Lebensperspektiven für Christen in Syrien schaffen
Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Erzbischof Ludwig Schick, mahnt angesichts des immer noch schwelenden Kriegs in Syrien einen größeren Einsatz der Weltgemeinschaft für diplomatische Lösungen an, um unter anderem Lebensperspektiven für die Christen des Landes zu schaffen. In einer Mitteilung der DBK am Donnerstag anlässlich des zehnten Jahrestags des syrischen Bürgerkriegs fordert Schick dazu auf, den Konflikt nicht zu vergessen und internationale Verhandlungen zu fördern. Die Christen vor Ort seien auf Unterstützung angewiesen. Ihr Exodus aus ihrem Heimatland werde erst dann enden, wenn es für sie Sicherheit gebe. "Die Christen wollen ihre syrische Heimat nicht verlassen. Aber ein Leben in Sicherheit und Frieden, das sie für sich und ihre Kinder wünschen, ist derzeit nicht in Sicht", so der Bamberger Erzbischof. "Erst wenn politische Stabilität und der Schutz vor Willkür und Gewalt auch wirtschaftliche Chancen eröffnen, wird der Wegzug der Christen verebben", betonte der Vorsitzende der Kommission Weltkirche. Er war selbst zuletzt 2019 in Syrien, um sich einen Eindruck über die Lage zu verschaffen.
Schick machte dabei auch darauf aufmerksam, dass die Corona-Pandemie nicht dazu führen dürfe, andere Notlagen zu verdrängen. "Während wir in Deutschland nach wie vor die Herausforderungen der Pandemie zu meistern versuchen, gehen Flucht, Vertreibung, Hunger und Sterben in den Kriegsgebieten des Nahen Ostens unvermindert weiter. Das Leid der Menschen erlaubt es nicht, uns erst mit uns selbst und irgendwann einmal wieder mit ihnen zu beschäftigen. Jetzt ist dringendes Handeln auf allen Ebenen internationaler Politik erforderlich", so der Bamberger Erzbischof.
Wege für humanitäre Hilfe offenhalten
Insbesondere sei es wichtig, Wege für humanitäre Hilfe offenzuhalten. Die europäischen Sanktionen hätten kaum zur Lösung des Konflikts beigetragen und die Lage der Bevölkerung noch verschlimmert. "Es ist unabdingbar, die Folgen der Sanktionen für die Bevölkerung genau zu analysieren – und die Sanktionen gegebenenfalls anzupassen. Angesichts der Not muss es das oberste Gebot sein, gemeinsam danach zu suchen, wie den Menschen am besten geholfen werden kann", unterstrich Schick. Priorität habe dabei "das Schweigen der Waffen". Versöhnungsarbeit werde dadurch überhaupt erst möglich.
Die Deutsche Bischofskonferenz setzt sich schon seit Jahren für die Menschen in der Region ein. 2020 stellte sie eine Arbeitshilfe zur Situation der Christen in Syrien und im Irak vor. Die Veröffentlichung ist Teil der Initiative "Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit". Dazu findet jeweils am 26. Dezember, dem Gedenktag des ersten christlichen Märtyrers Stephanus, ein Gebetstag in der katholischen Kirche statt.
Im März 2011 begannen im Zuge des "Arabischen Frühlings" in Syrien Proteste gegen die Regierung von Baschar al-Assad. Nach einer gewalttätigen Reaktion der Regierung entbrannte ein Krieg zwischen Regierungstruppen, Rebellengruppen und radikalen Islamisten, der nach Schätzungen der Vereinten Nationen mindestens einer halben Million Menschen das Leben kostete und 13 Millionen in die Flucht getrieben haben. In Syrien setzt sich unter anderem das Hilfswerk missio mit materieller Hilfe und Projekten zur medizinischen Versorgung und Bildung für die Opfer ein. (fxn)