Ehemaliger Postulator hatte Aufforderung zu Geldzahlung behauptet

Vatikan weist Korruptionsvorwurf bei Seligsprechungsverfahren zurück

Aktualisiert am 15.04.2021  –  Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Ist es möglich, durch Geldzahlungen einen Seligsprechungsprozess im Vatikan zu "beschleunigen"? Das hat jedenfalls ein Journalist und ehemaliger Postulator behauptet. Der Vatikan weist diesen Vorwurf der Korruption nun von sich.

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Der Vatikan hat den Vorwurf der Korruption im Rahmen eines angeblich beim zuständigen Dikasterium anhängigen Seligsprechungsverfahrens zurückgewiesen. Anders als behauptet, bearbeite die Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen kein Verfahren für den 1978 ermordeten italienischen Ministerpräsidenten Aldo Moro, teilte der Vatikan am Dienstag mit. Einen Tag zuvor hatte der Journalist Nicola Giampaolo in einer Fernsehsendung des staatlichen Senders "Rai 3" behauptet, er sei als Postulator des Verfahrens für Moro von einem hohen Vatikan-Mitarbeiter zu einer Geldzahlung aufgefordert worden, um die Beatifikation des Politikers zu "beschleunigen". Das Treffen soll in den Räumen der Vatikan-Behörde im Juni 2018 stattgefunden haben.

Die Betreiber des Verfahrens hätten Giampaolo bereits im April 2018 das Mandat entzogen, teilte die Kongregation mit. Der Journalist sei wegen zwei weiterer Seligsprechungsverfahren an der Behörde gewesen, schrieb der zuständige Untersekretär Pater Bogusław Turek in einer eigenen Mitteilung, die der Vatikan ebenfalls veröffentlichte. Beide Verfahren hätten keine Verbindung zur Person Moros. Turek habe Giampaolo demnach erklärt, dass die beiden weiteren Verfahren an der Behörde nicht angenommen würden, da sie keine Aussicht auf Erfolg hätten. Mit der Causa Moro ist Turek nach eigenen Angaben nicht befasst. Zudem habe das Verfahren offiziell noch gar nicht begonnen: Die zuständige Diözese Rom habe den Vatikan bisher noch nicht um eine Aufnahme des Seligsprechungsverfahrens gebeten.

Die Kosten für Selig- und Heiligsprechungsverfahren sowie die Honorare für die Postulatoren übernehmen die Antragsteller, meist Bistümer oder Ordensgemeinschaften. Der christdemokratische Politiker Moro war von 1963-68 und 1974-76 Ministerpräsident von Italien. Er setzte sich für eine politische Zusammenarbeit linker und rechter Parteien ein. 1978 wurde Moro von der Terrororganisation Rote Brigaden entführt und nach fast zwei Monaten Geiselhaft getötet. Die Terroristen sahen in der parteiübergreifenden Politik Moros eine Gefahr für die von ihnen angestrebte Revolution. Der Fall Moro wurde nie vollständig aufgeklärt, weshalb sich Verschwörungsmythen um ihn ranken. Moro war als gläubiger Katholik bekannt und gehörte seit seiner Studienzeit als Laie dem Dominikanerorden an. (rom)