Ein Mönch geht in Siegburg durch das Kloster der Abtei Michaelsberg.
Manche Vereinigungen würden sich als "bessere" Katholiken verstehen

Erzbischof: Vatikan ermittelt derzeit gegen zehn Gemeinschaftsgründer

Gründer von Gemeinschaften sind meist beeindruckende Personen, die Menschen dazu bringen, ihr Leben zu ändern. Doch manchmal ist ihr Wirken auch problematisch. Deshalb ermittelt die vatikanische Ordenskongregation aktuell gegen zehn dieser Gründer.

Madrid - 30.07.2021

Der Vatikan ermittelt derzeit wegen unterschiedlicher Vergehen gegen zehn Ordensgründer. Dabei handele es sich zumeist um Gründer von Gemeinschaften, die sich auf dem Weg zur offiziellen Anerkennung durch die Kirche befänden, sagte Erzbischof José Rodríguez Carballo dem spanischen Magazin "Vida Nueva" am Freitag. Die Ermittlungen gegen die Ordensgründer kämen vor allem aus drei Gründen zustande, so der Sekretär der vatikanischen Ordenskongregation: Die Nutzung der Finanzen und anderer Güter der Gemeinschaft zum eigenen Vorteil, spiritueller Missbrauch und Machtmissbrauch sowie Probleme im Bereich der "Zuneigung". Manchmal würden alle drei Gründe bei einer Ermittlung zusammenkommen.

Das Fehlverhalten von Ordensgründern, das zu den Ermittlungen des Vatikan führe, füge dem Ordensleben und der gesamten Kirche großen Schaden zu, sagte Rodríguez weiter. Die Nummer Zwei der Ordenskongregation rief daher dazu auf, bei der Anerkennung von neuen Gemeinschaften größere Sorgfalt walten zu lassen. Man müsse dabei auf "Notwendigkeit, Zweckmäßigkeit und Nützlichkeit" der neuen Gemeinschaften für die Kirche blicken. "Diese Genehmigung ist ein Recht der Bischöfe, aber auch eine große Verantwortung." Die Kirche habe klare Kriterien für die Anerkennung des Charismas eines Ordensgründer, wie die Gemeinschaft mit der Kirche, geistliche Früchte oder die soziale Dimension der Verkündigung. Manchmal sei es jedoch schwer, die Authentizität eines Charismas zu erkennen.

Sexueller Missbrauch meist durch geistlichen Missbrauch angebahnt

Geistlicher Missbrauch sei in Ordensgemeinschaften verbreiteter als man vielleicht denke, so Rodríguez. "Diese Art von Missbrauch kommt im Bereich der geistlichen Begleitung oder im Schoß einer Gemeinschaft vor, besonders dann, wenn Forum internum und externum nicht getrennt werden." Der Begriff Forum internum bezeichnet im geistlichen Leben von Ordensangehörigen oder Klerikern den Bereich der geistlichen Begleitung, das Gegenstück Forum externum bezieht sich auf die Beziehungen zu den kirchlichen Vorgesetzten. Beim geistlichen Missbrauch spiele Klerikalismus eine große Rolle, der jedoch nicht nur von geweihten Amtsträgern, sondern auch von anderen in der Kirche wirkenden Männern und Frauen mit großer Autorität ausgenutzt werde. Sexueller Missbrauch werde meist durch geistlichen Missbrauch angebahnt und richte sich oft gegen Angehörige des eigenen Ordens, aber auch gegen andere Erwachsene oder Minderjährige.

Einige Ordensgemeinschaften würden sich als die "besseren" Katholiken verstehen, was sektenähnliche Tendenzen annehmen könne. Diese Gemeinschaften würden sich gegen Einflüsse von außen verschließen, da sie ihr Charisma als Eigentum des Gründers verstünden. Dabei gehöre es jedoch der ganzen Kirche, die als einzige Institution ein Charisma anerkennen könne, so Rodríguez. Deshalb habe die Kirche ein Recht, einzuschreiten, falls es zu einer "ungeordneten Ausübung von Charismen" komme. In vielen Fällen würden die Orden daraufhin behaupten, von der Amtskirche "verfolgt" zu werden. Dieses sektiererische Verhalten gehe meist mit einer sehr oberflächlichen Spiritualität einher, die nicht auf einer gesunden Theologie und dem Lehramt der Kirche begründet sei. Rodríguez ist seit 2013 Sekretär der Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens, so der offizielle Name des Dikasteriums. Er gehört dem Franziskanerorden an, den er von 2003 bis 2013 als Generalminister leitete. (rom)