Flutkatastrophe im Westen Deutschlands
Auch Pfarrheime und -häuser sowie Kitas betroffen

Flut beschädigt 31 Kirchen im Bistum Trier – zahlreiche Schäden in NRW

Im Bistum Trier und in den NRW-Diözesen hat die Flutkatastrophe großen Schaden angerichtet. Betroffen sind neben Kirchen auch andere kirchliche Gebäude. Noch ist unklar, wie hoch der Schaden ist – und ob alle Gebäude erhalten bleiben können.

Trier - 06.08.2021

Die Flutkatastrophe hat zahlreiche Kirchen und Gebäude des Bistums Trier stark beschädigt. Nach vorläufigen Erhebungen seien 31 Kirchen, 8 Pfarrheime und 8 Pfarrhäuser sowie etwa ein Dutzend Kitas in jeweils unterschiedlichem Grad betroffen, teilte das Bistum am Freitag auf Anfrage mit. Die Schadenserhebung dauere weiter an. Für eine seriöse Schätzung der Kosten sei es zu früh. Noch lasse sich auch nicht sagen, ob Gebäude aufgegeben werden müssten.

Gemeinsam mit den betroffenen Kirchengemeinden würden in den kommenden Wochen Schritte zum Wiederaufbau geklärt, so das Bistum. Für die Überlegungen spiele auch eine Rolle, ob kirchliche Objekte wie Pfarrheime oder Kitas von den staatlichen Förderungen berücksichtigt werden. Für die meisten Kindertagesstätten sei es bereits gelungen, einen temporären Ersatz zu finden. Schulen in Trägerschaft des Bistums seien vom Hochwasser nicht beschädigt worden.

Unterdessen können Kirchenverantwortliche in Nordrhein-Westfalen die Schäden an Gotteshäusern und kirchlichen Einrichtungen noch nicht genau beziffern. In vielen Hochwassergebieten dauert die Bestandsaufnahme an, wie eine Umfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) unter katholischen Bistümern und evangelischen Landeskirchen von Freitag zeigt.

Gebäudeschäden in NRW

Den Angaben aus den Pressestellen zufolge sind laut aktuellem Stand im Bistum Aachen etwa 57 Gebäude betroffen, darunter 21 Kirchen. Über den Fachbereich Versicherungen der Bistumsverwaltung können Gemeinden kurzfristig 10.000 Euro Nothilfe pro Gebäude abrufen, um erste Reparaturen oder Untersuchungen zu finanzieren. Das Erzbistum Köln meldete mehr als 200 Sachschäden, davon über 40 Schäden an Kitas. Bereits am Donnerstag hatte die Erdiözese mitgeteilt, dass die Flutkatastrophe 8 ihrer 33 Schulen getroffen habe. Allein am Sankt-Angela-Gymnasium in Bad Münstereifel dürfte der Schaden bei mehr als 6 Millionen Euro liegen. Die Schule wird nach den Ferien im Distanzunterricht starten. Im Erzbistum Paderborn traf das Wasser mehrere Kirchen, Kapellen, Pfarrheime und Kitas erheblich.

Im Gebiet der evangelischen westfälischen Landeskirche sind Keller von Kirchen und Gemeindehäusern voll gelaufen. Betroffen sind auch Kitas, einzelne Seniorenheime und die Evangelische Hochschule Bochum. Die rheinische Landeskirche verzeichnete deutlich mehr als ein halbes Dutzend schwer beschädigter Pfarrhäuser. In den betroffenen Kitas führen Bausachverständige unter anderem mikrobiologische und chemische Untersuchungen durch. "Sie müssen klären, was mit Bakterien und Verunreinigungen im Wasser ist", sagte Sprecher Jens Peter Iven.

Für die Bestandsaufnahme habe die Landeskirche auch rund zwölf Pfarrerinnen und Pfarrer im Ruhestand beauftragt. Sie hätten in den vergangenen Tagen die betroffenen Gemeinden abgefahren, um Bedarfe aufzunehmen und Hilfen zu vermitteln. Dieses "Makler"-Projekt sei auf mehrere Jahre angelegt. "Der Bedarf, der jetzt da ist, wird ein anderer sein als in ein paar Monaten oder Jahren." Ruheständler sind laut Iven zudem angefragt, mittel- und langfristig in den betroffenen Gemeinden bei der Seelsorgearbeit zu helfen. Die rheinische Landeskirche, die Teile von Nordhrein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Hessen umfasst, rechne einerseits mit einem steigenden Bedarf, andererseits müssten die Pfarrerinnen und Pfarrer vor Ort entlastet werden. Evangelische Friedhöfe sind dem Sprecher zufolge nicht betroffen. Mehrere kommunale Friedhöfe seien jedoch geflutet worden. Auf dem Friedhof Ahrtor im rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr räume immer noch tagsüber die Bundeswehr auf. Abends dürften Angehörige zu den Gräbern - sie würden dabei von Seelsorgenden begleitet. (tmg/KNA)

6.8., 15:55 Uhr: Ergänzt um Informationen zu NRW.