"Sprachlos" und "extrem verärgert"

US-Erzbistum erlässt Transgender-Regeln – Protest von Priestern

Aktualisiert am 27.01.2022  –  Lesedauer: 

Washington ‐ Toilettenbenutzung nur nach Geburtsgeschlecht, Einhaltung einer geschlechtsspezifischen Kleiderordnung, Namensnennung nur nach Geburtsurkunde: Das neue Regelwerk der US-Erzdiözese Milwaukee zu Transgender-Personen stößt auf massive Kritik.

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Die US-Erzdiözese Milwaukee hat eine neue Richtlinie für den Umgang mit Personen erlassen, die sich nicht mit ihrem biologischen Geschlecht identifizieren. Diese schreibe allen Pfarreien, katholischen Schulen und Organisationen unter anderem vor, dass die Betroffenen nur Toiletten benutzen dürfen, die ihrem Geburtsgeschlecht entsprechen, berichtet der "National Catholic Reporter" (NCR, Mittwoch).

Zum Regelwerk der Erzdiözese in der größten Stadt Wisconsins zählt auch die Einhaltung einer geschlechtsspezifischen Kleiderordnung. Zudem sollen Transgender-Personen grundsätzlich nur mit dem Namen angesprochen werden, der in ihrer Geburtsurkunde steht.

Die Richtlinie mit dem Titel "Katechese und Politik zu Fragen der Gender-Theorie", die die Erzdiözese schon vergangene Woche publizierte, verweist Transgender an Seelsorger, die "in Übereinstimmung mit den Lehren der Kirche" Unterstützung anbieten sollen. In dem vier Seiten umfassenden Dokument heißt es, der innere Konflikt von Transgender-Personen sei "an sich nicht sündhaft". Sie resultiere aber aus "Überresten sozialer Missstände und kultureller Verzerrungen".

Massive Kritik von Priestern und Kirchenmitarbeitern

Wie der NCR berichtet, stieß die Richtlinie bei vielen Priestern und Kirchenmitarbeitern auf massive Kritik. Viele seien "sprachlos" und "extrem verärgert". Erneut werde "nicht auf die Menschen aus der LGBTQ und ihre Geschichten und Erfahrungen gehört", so ein Priester aus einer der örtlichen Pfarrgemeinden.

Wie die Transgender-Richtlinien anderer US-Diözesen bezieht sich auch die von Milwaukee auf ein Dokument der vatikanischen Bildungskongregation von 2019. Darin heiße es unter anderem, die Transgender-Theorie sei "ein verwirrtes Konzept der Freiheit im Bereich von Gefühlen und Wünschen".

Bereits im September hatte sich der Erzbischof von Milwaukee, Jerome Listecki, für eine Überprüfung potenzieller Priesteramtskandidaten auf ihr biologisches Geschlecht hin ausgesprochen. Im Dezember sorgte das US-amerikanische Bistum Marquette (Michigan) für Aufsehen, als es Trans-Personen und Menschen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen von den Sakramenten der Taufe, Firmung und dem Empfang der Eucharistie ausschloss. (tmg/KNA)