Opfer von Zanchetta meldet sich zu Wort

Verurteilter argentinischer Bischof will Gerichtsurteil anfechten

Aktualisiert am 19.03.2022  –  Lesedauer: 

Buenos Aires ‐ Vor zwei Wochen wurde Bischof Gustavo Zanchetta zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Der Fall erregte besondere Aufmerksamkeit, da der Kleriker sexuelles Fehlverhalten begangen hatte. Nun ist klar: Zanchetta will den Richterspruch anfechten.

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Die Verteidigung des wegen sexuellen Fehlverhaltens verurteilten früheren Bischofs von Oran, Gustavo Zanchetta, strebt an, die Gerichtsentscheidung für ungültig erklären zu lassen. Rechtsanwalt Francisco Javier Belda Iniesta sagte laut dem argentinischen Portal "Que pasa Salta", das Urteil spiegele nicht die Realität dessen wider, was tatsächlich passiert sei. Belda berufe sich auf Widersprüche in den Zeugenaussagen gegen Zanchetta in den kirchenrechtlichen Akten und denen vor Gericht, hieß es.

Der Journalistin Silvia Noviasky, die den Fall seit Jahren für das lokale Portal "El Tribuno" im nordargentinischen Salta verfolgt, berichtet unterdessen, dass die drei Richter, die das Urteil gegen Zanchetta fällten, überzeugt seien, dass die Kirchenspitze in Oran von den sexuellen Übergriffen gewusst hätten. Viele Tatsachen seien aus Angst nicht gemeldet worden, weil die Betroffenen nicht mit dieser unglücklichen und beschämenden Situation in Verbindung gebracht werden wollten, berichtet Noviasky. Zudem habe bei den Opfern Angst vor "Vergeltung innerhalb des Klerus" geherrscht.

Ein Opfer eines Übergriffs berichtete unterdessen im Gespräch mit "El Tribuno", Zanchetta habe seine Freundschaft zu Papst Franziskus als Druckmittel gebraucht. So habe der Bischof von Anrufen des Papstes erzählt und mit dem Kontakt zu Franziskus geprahlt. "Das hat uns unter Druck gesetzt; da hat er seine Macht gezeigt", so ein Zeuge. Zanchetta habe immer gedroht, das Priesterseminar zu schließen. "Widerspreche mir nicht, denn ich bin der Bischof", sagte Zanchetta demnach.

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Zanchetta war wegen sexuellen Fehlverhaltens durch ein Gericht in Salta zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Zudem wurde angeordnet, dass die Daten des Bischofs in eine Gendatenbank für Straftäter eingetragen wurden. Er selbst sprach von einer Kampagne aus Rache gegen sich und beteuerte seine Unschuld. Die Bischöfe im Heimatland von Papst Franziskus hatte nach dem Urteilsspruch gegen Zanchetta um Entschuldigung für die Taten gebeten.

Zanchetta verzichtete vor Gericht auf die Möglichkeit "des letzten Wortes" vor Gericht und damit auch auf die Gelegenheit, sich bei den Opfern zu entschuldigen. Laut Aussagen bei der Verhandlung forderte der Bischof von jungen Seminaristen "Massagen"; auf seinem Mobiltelefon wurden pornografische Bilder gefunden.

Zanchettas Berufung zum Bischof wurde während der ersten Auslandsreise von Franziskus zum Weltjugendtag in Rio de Janeiro 2013 bekannt. Er galt als persönlicher Freund des Papstes. Die Personalie sorgte von Anfang an für Unruhe. Eine Online-Petition ehemaliger Mitarbeiter Zanchettas aus Quilmes forderte das Kirchenoberhaupt auf, die Personalie noch einmal zu überdenken. Sie warfen Zanchetta schlechte Amtsführung vor. Er soll zudem versucht haben, mutmaßliche Zeugen gegen ihn einzuschüchtern. Aus dem Vatikan hieß es, der Papst habe von den Anschuldigungen nichts gewusst.

Nach seinem Rücktritt als Bischof von Oran 2017 - offiziell aus gesundheitlichen Gründen - war Zanchetta als Berater bei der vatikanischen Vermögensverwaltung APSA nach Rom berufen worden. Nach einer vorübergehenden Suspendierung 2019 kehrte er 2020 auf diesen Posten zurück. Inzwischen hat er die Stelle wieder geräumt. Eine offizielle Mitteilung dazu gab es nicht. (KNA)