Kardinal Marx solle handeln

Münchner Betroffenenbeirat fordert Entlassung von Prälat Lorenz Wolf

Aktualisiert am 23.03.2022  –  Lesedauer: 

München ‐ Nach Vorwürfen im Münchner Missbrauchsgutachten lässt Offizial Lorenz Wolf alle Ämter ruhen. Dass er sich damit quasi nur im "Urlaubsstatus" befinde, sei aber unsäglich, beklagt nun der Betroffenenbeirat – und fordert Kardinal Marx zum Handeln auf.

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Missbrauchsbetroffene fordern vom Münchner Kardinal Reinhard Marx ein energischeres Vorgehen gegen den in die Kritik geratenen Prälaten Lorenz Wolf. Seit der Vorstellung des Münchner Missbrauchsgutachtens im Januar sei klar, welche Verfehlungen der 66-Jährige begangen habe, sagte Richard Kick vom Betroffenenbeirat der Erzdiözese München und Freising dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er habe das Leid von Betroffenen verstärkt, weil er sie zum Teil diskreditiert habe, betonte Kick. Marx stehe im Kirchenrecht über Wolf und könnte diesen entlassen.

Das sei die Forderung der Betroffenen, erläuterte Kick. Wolf lasse zwar auf eigenen Wunsch hin alle seine Ämter ruhen. Aber es sei unsäglich, dass er sich damit quasi nur im "Urlaubsstatus" befinde und offiziell immer noch Ämter bekleide. Das Erzbistum wollte sich auf epd-Anfrage nicht näher äußern, der Vorgang befinde sich "in Klärung", sagte ein Sprecher.

Lorenz Wolf gilt als einer der mächtigsten katholischen Kirchenvertreter in Bayern. Neben seinen zahlreichen außerkirchlichen Funktionen ist er Offizial im Erzbistum München, also oberster Kirchenrichter, Münchner Domdekan sowie Leiter des Katholischen Büros Bayern.

Vorwürfe im Münchner Gutachten

Dem am 20. Januar veröffentlichen unabhängigen Gutachten der Münchner Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl zufolge soll Wolf in seinen Ämtern und Funktionen in mehreren Fällen wesentlich dazu beigetragen haben, Missbrauchsdelikte im Erzbistum München und Freising zu vertuschen und zu verharmlosen. Ende Januar wurde bekannt, dass Wolf alle seine Ämter und Aufgaben ruhen lässt, einen Rücktritt hat er bislang nicht eingereicht oder angeboten. Marx forderte Wolf mehrfach öffentlich auf, zu den Vorwürfen gegenüber dem Erzbistum Stellung zu nehmen.

Anfang Februar bat Wolf dann im BR-Rundfunkrat, dessen Vorsitzender er ist, "aus tiefstem Herzen" um Verzeihung. Er schäme sich dafür, Schuld auf sich geladen zu haben. Zugleich verteidigte er sich gegen die im Gutachten erhobenen Vorwürfe. Er habe sehr wohl an der Erstellung des Gutachtens mitgewirkt und Fragen zu 20 Fällen auf rund 140 Seiten beantwortet. Wolf stellte aber auch klar, dass er sich von den Gutachtern in dieser Form zu Unrecht kritisiert fühlt. Von mehreren Seiten wurde Wolf zum Rücktritt von all seinen Ämtern aufgerufen, unter anderem von der Grünen-Landtagsfraktion sowie dem Medienunternehmer und FDP-Landtagsabgeordneten Helmut Markwort. (epd)