Franziskus habe sich von deutschem Reformprozess distanziert

Polens Bischofskonferenz-Chef beim Papst – Thema auch Synodaler Weg

Aktualisiert am 28.03.2022  –  Lesedauer: 
Der Erzbischof von Posen, Stanislaw Gadecki, ist derzeit Vorsitzender der Polnischen Bischofskonferenz.
Bild: © KNA

Vatikanstadt ‐ Im Mittelpunkt stand eigentlich die Arbeit der polnischen Kirche im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg: Doch Erzbischof Stanislaw Gadecki sprach mit dem Papst auch über den deutschen Synodalen Weg. Angeblich distanzierte sich Franziskus davon.

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Papst Franziskus hat den Vorsitzenden der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki, am Montag im Vatikan empfangen. Im Mittelpunkt des 45 Minuten langen Gesprächs stand laut Polnischer Bischofskonferenz die Arbeit der Kirche im Land im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine. Gadecki habe Franziskus über kirchliche Hilfsaktionen in Polen für Geflüchtete aus dem Nachbarland sowie auch für jene, die in der Ukraine geblieben sind, informiert. Der Erzbischof von Poznan (Posen) dankte Franziskus für dessen Marienweihe der ganzen Welt, insbesondere Russlands und der Ukraine, vom vergangenen Freitag. Der Papst habe seinerseits der Kirche in Polen für die ergriffenen Maßnahmen gedankt und seine geistliche Unterstützung zugesichert.

Gadecki, so die Erklärung weiter, habe den Papst auch über "Schwierigkeiten" informiert, die sich für die Weltkirche aus den Fragen ergeben, die durch "den sogenannten deutschen Synodalen Weg" aufgeworfen würden. Franziskus habe sich von dieser Initiative distanziert, hieß es. Die polnischen Bischöfe hatten in einem Brief vom 22. Februar an die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) unter anderem kritisiert, der Synodale Weg bedeute eine Verwässerung der kirchlichen Lehre und eine Anpassung an den Zeitgeist. Darauf hatte der DBK-Vorsitzende Bischof Georg Bätzing den Reformprozess in einem am 24. März veröffentlichten Brief an Gadecki verteidigt. Die Katholiken in Deutschland gingen den durch den Missbrauchsskandal ausgelösten "Weg der Umkehr und der Erneuerung nicht leichtfertig und schon gar nicht außerhalb der Weltkirche", so der Limburger Bischof.

Mit Abstand die meisten Flüchtlinge

Bereits im Vorfeld hatte Polens Bischofskonferenz mitgeteilt, wichtigstes Gesprächsthema Gadeckis mit dem Papst seien der Krieg in der Ukraine und die Hilfe für Geflohene. Polen hat seit Kriegsbeginn mit deutlichem Abstand die meisten Menschen aus der Ukraine aufgenommen. Rund 2,3 Millionen Flüchtlinge zählte der polnische Grenzschutz bisher. Unklar ist zurzeit, wie viele der nach Polen geflüchteten Menschen tatsächlich dort geblieben sind.

Gadecki flog nach dem Treffen zurück nach Polen. Dort wollte er den Ökumenische Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., treffen. Geplant sei ein gemeinsames Treffen mit ukrainischen Flüchtlingen in Warschau und ein "kurzes, gemeinsames Gebet für den Frieden in der Welt", wie die nationale Bischofskonferenz mitteilte.

Papst Franziskus hatte kurz nach Kriegsbeginn seinen Sozialbeauftragten, Kardinal Konrad Krajewski, nach Polen und in die Ukraine entsandt. Krajewski, selbst Pole, besuchte eine Woche lang Flüchtlinge und Helfer im polnisch-ukrainischen Grenzgebiet. Am Samstag brach der Kardinal erneut Richtung Ukraine auf. (tmg/KNA)