Marienweihe von Papst Franziskus fand großen Anschluss

Die Welt in einer Friedensbitte vereinen: "Beende den Hass"

Aktualisiert am 26.03.2022  –  Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ In einem feierlichen Akt hat Papst Franziskus die Menschheit, besonders aber die Ukraine und Russland, der Muttergottes geweiht. Rund 3.500 Menschen feierten im Petersdom, viele Christen aus aller Welt schlossen sich seinem Bittgebet um Frieden an.

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"Wir sind vom Weg des Friedens abgekommen" – mit gesenktem Kopf sitzt Papst Franziskus vor einer Figur der Madonna von Fatima. Eindringlich trägt er der Mutter Jesu seine Bitten vor: "Lass uns im Sturm des Krieges nicht untergehen", "beende den Hass", "bewahre die Welt angesichts der nuklearen Bedrohung" und schließlich: "Erbitte der Welt den Frieden".

Im Petersdom herrscht an diesem Freitagabend Stille, trotz der rund 3.500 Teilnehmer des Gottesdienstes. Viele Diplomaten sind unter ihnen, auch der Botschafter der Ukraine beim Heiligen Stuhl, Andriy Yurash. Sein russischer Kollege Alexander Awdejew soll ebenfalls anwesend sein. Etwa 2.000 Menschen verfolgen das Ereignis auf dem Petersplatz.

Dort hatte der Vatikan am Donnerstag noch Stühle aufstellen lassen, damit mehr Menschen an der Bußfeier und dem Akt der Marienweihe teilnehmen konnten. Ein besonderes Ereignis, mit dem Papst Franziskus die gesamte Menschheit, insbesondere die beiden Kriegsparteien Russland und Ukraine, unter den Schutz der Muttergottes stellen möchte.

Art Generalabrechnung mit den Vergehen der Menschheit

Doch zunächst benennt Franziskus das Unrecht: "In diesen Tagen erreichen uns immer neue Nachrichten und Bilder des Todes, während Bomben die Häuser so vieler unserer wehrlosen ukrainischen Brüder und Schwestern zerstören." Dieser "brutale Krieg" löse in jedem Furcht und Schrecken aus, so der Papst in seiner Predigt. Nur Gott selbst und seine Vergebung seien in der Lage, den Menschen diese Angst zu nehmen.

Während der Feier ist Gelegenheit zur Beichte. Und so bittet der Papst in einem der vielen Beichtstühle zuerst selbst um Vergebung, bevor er anschließend Beichtgespräche mit Gläubigen führt – wie viele weitere Geistliche in den Ecken und Nischen der Papstbasilika und auf dem Petersplatz.

Die für viele schwer verständliche "Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens" war zunächst eine Art Generalabrechnung mit den Vergehen der Menschheit: Diese habe nichts aus den Kriegen des vergangenen Jahrhunderts gelernt und die Hoffnungen junger Menschen verraten; Gier, Egoismus, Lügen, Aggression und das Horten von Waffen hätten die Menschen dem Frieden vorgezogen. "Wir haben die Menschlichkeit verloren, wir haben den Frieden verspielt", lautet das Resümee.

Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens: Franziskus' Friedensoffensive

Papst Franziskus weiht die Ukraine, Russland und die ganze Welt dem Herzen Mariens. Was in Deutschland auf nicht wenige Gläubige befremdlich wirken mag, hat eine lange spirituelle Geschichte. Ein Blick auf die Verehrung des Herzens der Gottesmutter und ihre Bedeutung für den Frieden.

Um himmlischen Beistand bat Franziskus dann für die "Menschen, die leiden und vor den Bomben fliehen": "Dränge uns, unsere Türen zu öffnen und uns der verwundeten und verstoßenen Menschen anzunehmen." Am Ende des Gebetes weihte er "die ganze Menschheit, insbesondere Russland und die Ukraine", Maria und empfahl die Menschen himmlischem Schutz. Früher dienten solche Marienweihen oft nationalistischen und rein katholischen Interessen. Franziskus jedoch weitet diese Frömmigkeitsform aus, öffnet sie international und ökumenisch.

So vereint er in dem Gebet Welt und Zeit, Ost und West. Der Text enthält Hinweise auf Theologen und Gebete aus verschiedenen Jahrhunderten, auf Marienerscheinungen und Wendungen aus den Ostkirchen. Auch die Augsburger "Maria Knotenlöserin" findet Erwähnung. Das Datum der Weihe ist ebenso wenig Zufall: Am 25. März ist in der katholischen und in der orthodoxen Kirche das Fest der Verkündigung der Geburt Jesu an seine Mutter Maria durch den Erzengel Gabriel; die orthodoxe Kirche begeht es als eines von zwölf Hochfesten im Kirchenjahr.

Zwei Stunden lang versammelt der gesundheitlich angeschlagen wirkende Papst die Weltkirche um sich. In den allermeisten Diözesen feiern Gläubige gleichzeitig Bußgottesdienste. Bischöfe sprechen das Gebet der Marienweihe in ihren Kathedralen. Gemeinden verfolgen die Übertragung aus dem Petersdom; Zehntausende verfolgen die Streams im Internet. In Moskau zelebriert der katholische Erzbischof Paolo Pezzi eine Messe, der ukrainisch-katholische Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk von Kiew begrüßte die Initiative. Vor Jahren schon hatte er den Papst um eine solche Initiative für sein Land gebeten.

Vereint im weltumspannenden Gebet

An diesem Freitag schließen sich Gläubige in Kasachstan und Skandinavien, Amerika und Afrika dem weltumspannenden Gebet an – gleichzeitig. Weswegen sich in Australien Bischöfe und Gläubige um drei Uhr morgens in Kirchen versammeln. Auch von Benedikt XVI. hieß es, er schließe sich im privaten Gebet an. In Deutschland wie in Österreich und der Schweiz beteiligen sich nahezu alle Diözesen, wenn auch in unterschiedlicher Form.

In Fatima vollzieht der päpstliche Sozialbeauftragte, Kardinal Konrad Krajewski, den Weiheakt parallel mit Franziskus. Dort in Fatima soll 1917 Maria bei einer Erscheinung drei Kindern erklärt haben: Um die Menschen zu retten, solle "die Verehrung (ihres) Unbefleckten Herzens in der Welt" etabliert werden.

Mit weißen Blumen für die weiße Madonna endet das Friedensgebet im Petersdom. Das Engagement des Papstes und der Kirche für ein Ende des Krieges soll weitergehen. Nicht nur geistlich. Von Fatima aus wird Krajewski erneut nach Polen und in die Ukraine aufbrechen. Unter anderem mit einem Krankenwagen, den der Papst gesegnet hat. Dass Franziskus selbst nach Kiew reist, gilt derzeit als unwahrscheinlich. Vielleicht schickt er bald einen weiteren Vertreter dorthin.

Von Severina Bartonitschek (KNA)