"Scheint, als gäbe es einen teuflischen Plan"

Gänswein sieht systematische Angriffe auf Person und Werk Benedikts XVI.

Aktualisiert am 08.04.2022  –  Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Eine später korrigierte Falschaussage im Münchner Gutachten hat Benedikt XVI. viel Kritik eingebracht. Sein Sekretär Georg Gänswein sieht eine Strömung in der deutschsprachigen Welt am Werk, die Pontifikat, Werk und Person angreifen wollen.

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Erzbischof Georg Gänswein sieht die Kritik an der später korrigierten Falschaussage des emeritierten Papstes Benedikts XVI. in seiner Stellungnahmen zum Münchner Missbrauchsgutachten als Teil von Angriffen auf den Emeritus. In einem Interview mit der italienischen Illustrierten Oggi (Donnerstag) betonte der Sekretär Benedikts, dass sich keine der Anschuldigungen als begründet erwiesen hätten. "In der deutschsprachigen Welt gibt es eine Strömung, die versucht, das Pontifikat und das theologische Werk Ratzingers anzugreifen und auch die Person zu verletzen", so Gänswein. Der Fehler in Bezug auf eine Sitzungsteilnahme des damaligen Erzbischofs von München und Freising im Jahr 1980 hätte vermieden werden können. "Aber sie hätten andere Ansatzpunkte gefunden, um zuzuschlagen. Es scheint fast so, als ob die Geschehnisse einen teuflischen Plan enthielten", heißt es in dem Interview. Benedikt habe die Situation Leid gebracht. "Es war eine schwierige Zeit, die durch die Medien noch verstärkt wurde", so Gänswein weiter.

Der Sekretär des Emeritus betonte, dass der Kampf gegen die Pädophilie mit dem Pontifikat von Benedikt XVI. eine neue Wendung genommen habe und verwies auf die Treffen des Papstes mit Missbrauchsbetroffenen, den Brief an die Katholiken in Irland und das Vorgehen gegen Missstände bei den "Legionären Christi". Auch mit Blick um die Kontroverse um ein Buch von Kardinal Robert Sarah über Priestertum und Zölibat, bei dem Benedikt XVI. zunächst als Autor auf dem Buchtitel genannt wurde, sieht Gänswein den Versuch der Spaltung: "Es bestand der Wunsch, den Papst und den emeritierten Papst gegeneinander auszuspielen. Aber beide Kontroversen werden von denen, die auch in der Kirche ein Interesse daran haben, Gegensätze zu schaffen, kunstvoll inszeniert."

"Beleidigende und lächerliche Anschuldigung"

Vorwürfe, dass Gänswein "Pilgerfahrten von Anti-Bergoglianern nach Mater Ecclesiae", dem Wohnort Benedikts, begrüße, bezeichnete er als "beleidigende und lächerliche Anschuldigung". Dass Papst Franziskus ihn Anfang 2020 von seiner Tätigkeit als Präfekt des Päpstlichen Hauses entbunden hat, ordnete Gänswein in diesen Kontext ein: "Der Rat von Papst Franziskus, mich meiner Arbeit als Sekretär des emeritierten Papstes zu widmen, zielte darauf ab, eine Instrumentalisierung zu vermeiden." Ende 2020 hatte der Erzbischof gegenüber der Zeitschrift "Bunte" gesagt, dass er die Beurlaubung als Schock und Bestrafung empfunden habe, dass allerdings ein klärendes Gespräch mit dem Papst stattgefunden habe.

Im Münchner Missbrauchsgutachten der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) wird Joseph Ratzinger in seiner Zeit als Münchner Erzbischof (1977-1982) in vier Fällen mutmaßlich fehlerhaftes Verhalten vorgehalten. Zudem bekundeten die Gutachter erhebliche Zweifel an seinen Aussagen zu einem besonders brisanten Fall eines Wiederholungstäters. Im Zusammenhang mit diesem Fall kam es auch zu der im Nachgang korrigierten Falschaussage. In einem persönlich gehaltenen Brief wies der emeritierte Papst später den Vorwurf der Lüge zurück. Zugleich mit dem Brief erschien ein "Faktencheck" der juristischen Berater, in dem mehrere Behauptungen zurückgewiesen werden. (fxn)