Bei möglicher Kiew-Reise gehe es darum, ob sie zum Kriegsende beitragen könne

Parolin: Papst-Kyrill-Treffen im Libanon nicht ausgeschlossen

Aktualisiert am 08.04.2022  –  Lesedauer: 

Turin ‐ Franziskus wird im Juni voraussichtlich in den Libanon reisen. Laut Kardinalstaatssekretär Parolin ist es denkbar, dass er dort den russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill trifft. Auch zu einer möglichen Ukraine-Reise des Papstes äußerte sich Parolin.

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Ein Treffen zwischen Papst Franziskus und dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. im Libanon ist nicht ausgeschlossen. Das bestätigte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin laut der italienischen Zeitung "La Stampa" (Freitag). Es gebe verschiedene Möglichkeiten, noch sei nichts entschieden, erklärte der vatikanische Chefdiplomat. "Es wird daran gearbeitet."

Für eine mögliche zweite Zusammenkunft von Franziskus und Kyrill I. sei wie beim ersten Treffen ein "neutrales Terrain" Bedingung, so Parolin weiter. Vor wenigen Tagen hatte der libanesische Präsident einen Besuch des Papstes im Juni angekündigt. Der Vatikan hat die Reise bisher nicht offiziell bestätigt.

Ausgangspunkt der Fragen war eine mögliche Papstreise in die Ukraine, für die, laut Parolin, die Beziehungen zur russisch-orthodoxen Kirche berücksichtigt werden müssen. Die Situation sei äußerst heikel, so der Kardinal. Bei einer möglichen Kiew-Reise gehe es darum, ob sie zur Beendigung des Krieges beitragen könne. In der Zwischenzeit sei denkbar, dass der vatikanische Außenminister, Erzbischof Paul Richard Gallagher, zeitnah nach Kiew reise.

Erstes Treffen 2016

2016 war der römische Papst mit dem Moskauer Patriarchen zu einem historischen Treffen auf Kuba zusammengekommen. Es war das erste seiner Art. Initiativen für ein weiteres Treffen betonten Vatikan und Moskau bereits mehrfach. Zuletzt hatte Papst Franziskus auf dem Rückflug seiner Maltareise am ersten Aprilwochenende erklärt, dass an einem Treffen mit Kyrill gearbeitet werde, "voraussichtlich im Nahen Osten".

Unterdessen betonte der römisch-katholische Bischofs von Odessa, Stanislaw Schyrokoradiuk, dass ein Besuch von Papst Franziskus in der Ukraine mit einem erheblichen Risiko verbunden wäre. "Es gibt keine Sicherheit hier", sagte er dem Sender Radio Horeb (Freitag). Dennoch halte er solche Überlegungen für sinnvoll. Es sei für die ukrainische Bevölkerung wichtig, Solidarität des Papstes zu spüren, betonte Schyrokoradiuk.

Die Millionenstadt Odessa mit ihrem Güterhafen gilt als Tor der Ukraine zum Schwarzen Meer. Bei einem Raketenangriff durch russische Streitkräfte wurden nach ukrainischen Angaben in der Nacht zum Freitag Infrastruktureinrichtungen in der Region getroffen. Details zu den Schäden wurden zunächst nicht bekannt. (mal/KNA)