Führung des Landes soll Verantwortung für ihr Volk übernehmen

Patriarch Kyrill I.: Russen sollen sich hinter den Kreml stellen

Aktualisiert am 10.04.2022  –  Lesedauer: 

Moskau ‐ Patriarch Kyrill I. ist ein enger Verbündeter Wladimir Putins und rechtfertigte den Krieg gegen die Ukraine. Nun rief er seine Landsleute auf, sich "um die Staatsorgane herum" zu vereinen. Dann könne das Volk "äußere und innere Feinde" abwehren.

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Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. hat seine Landsleute aufgerufen, sich hinter die Staatsführung zu stellen. "Möge der Herrgott uns allen in dieser schweren Zeit für unser Vaterland helfen, uns zu vereinen, auch um die Staatsorgane herum", sagte das Kirchenoberhaupt am Sonntag in Moskau in einem Gottesdienst. Zugleich solle Russlands Führung Verantwortung für ihr Volk zeigen und diesem dienen.

"Dann wird unser Volk echte Solidarität und die Fähigkeit haben, äußere und innere Feinde abzuwehren und unser Leben so zu gestalten, dass in diesem Leben so viel Gutes, Wahrheit und Liebe wie möglich gibt", zitiert die Kirche weiter aus Kyrills Predigt.

Der Patriarch ist ein enger Verbündeter von Kreml-Chef Wladimir Putin. Russlands Krieg gegen die Ukraine rechtfertigte Kyrill I. Anfang März als "metaphysischen Kampf" des Guten gegen das Böse aus dem Westen. Vor einer Woche forderte er die Soldatinnen und Soldaten bei einem Gottesdienst in der Hauptkirche der Streitkräfte auf, ihren Eid zu erfüllen. Sie sollten bereit sein, ihr Leben für ihre Nächsten zu geben, wie es die Bibel besage. Im Ausland werden viele seiner Äußerungen zum Krieg scharf verurteilt.

Ukrainisches Priesterseminar geplündert

Unterdessen ist in der Ukraine mutmaßlich von russischen Soldaten ein katholisches Priesterseminar geplündert worden. Fotos, die in den sozialen Netzwerken kursieren, zeigen ein Bild der Verwüstung. Der Bischof von Kiew-Schytomyr, Vitalii Kryvytskyi, beschimpfte die Täter am Wochenende via Facebook als "Barbaren".

In dem Seminar der Ortschaft Worsel nahe Kiew sei nahezu alles entwendet worden, was man zu Geld machen könne: Waschmaschinen, Computer, Küchengeräte - sogar die alten Turnschuhe eines Priesters. Zudem fehlt nach Angaben des Bischofs ein wichtiger liturgischer Gegenstand: ein Kelch, der an die Heilige Messe erinnert, die Papst Johannes Paul II. bei seinem Ukraine-Besuch 2001 feierte.

Es werde einige Zeit dauern, bis wieder Normalität in das Priesterseminar einkehren könne, so Kryvytskyi. Mehrere Räume seien bei der Plünderung beschädigt worden. Es gebe derzeit kein fließendes Wasser, kein Licht, kein Gas. Glücklicherweise hätten sich freundliche Menschen aus der Umgebung bereiterklärt, bei den Reparaturarbeiten zu helfen. (mal/KNA)

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