Nach Berichten über Verbreitung von Verschwörungsmythen durch Ex-Priester

Biograf: Vorwürfe gegen Drewermann halten Faktencheck nicht stand

Aktualisiert am 10.05.2022  –  Lesedauer: 

Indianapolis ‐ Ist Eugen Drewermann ein Verschwörungstheoretiker? Laut Berichten fiel der bekannte Theologe und Ex-Priester zuletzt mit kruden Aussagen zum Ukraine-Krieg und zur Corona-Impfung auf. Sein Biograf sagt nun: Die Vorwürfe stützen sich nicht auf Fakten.

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Laut dem Theologen Matthias Beier beruhen die Vorwürfe, der Ex-Priester und Psychotherapeut Eugen Drewermann verbreite unter anderem im Hinblick auf den Ukraine-Krieg und Corona Verschwörungserzählungen, nicht auf Tatsachen. Ein Faktencheck zeige, "dass die Vorwürfe zumeist falsch sind oder auf Insinuationen beruhen, die bei näherer Betrachtung gegenstandslos sind", schreibt Beier in einer Stellungnahme, die katholisch.de vorliegt. Sein Ziel sei nicht eine Verteidigung Drewermanns, sondern eine nüchterne Klarstellung von Fakten. Beier ist Professor für Psychotherapie und Pastoraltheologie am Christian Theological Seminary in Indianapolis (USA) und Autor der 2017 erschienenen Biografie über Eugen Drewermann.

Das Magazin "Publik-Forum" hatte Ende Februar berichtet, dass Drewermann Verschwörungserzählungen verbreite. Demnach unterstützt er die Vorwürfe radikaler Impfgegner: So behaupte er etwa, die Genesenen seien besser geschützt als diejenigen, die mit einem mRNA-Impfstoff geimpft worden seien. Drewermann gehöre zudem zu den Erstunterzeichnern des "Neuen Krefelder Appells", der vor einer angeblichen kapitalistischen Weltverschwörung warnt. Auf Nachfrage, warum er den Appell unterzeichnet habe, habe Drewermann geschrieben, dass er die Nato "für eine große Gefahr" halte. Anfang April kam Drewermann selbst mit einem Gastbeitrag in "Publik-Forum" zu Wort. Darin bezeichnete er die Nato als "schlimmste Angriffsarmee der Weltgeschichte". Daraufhin kritisierte ihn sein früherer Weggefährte, der Schweizer Theologe Peter Eicher. Er könne nicht nachvollziehen, wie Drewermann der Nato die Schuld für die Bomben auf die Ukraine geben und über Russlands Verbrechen hinweggehen könne, schrieb Eicher in einem offenen Brief.

Auch Nato habe Mitschuld

Beier räumt zwar ein, dass Drewermann in Bezug auf die Nato diese Wortwahl benutzt habe und diese missverständlich sei. Der daraus abgeleitete Vorwurf, Drewermann nivelliere damit die Gräueltaten des Nationalsozialismus, sei aber falsch. "Er nennt die Nato so, um zu betonen, dass sie das zahlenmäßig größte aktive Militärbündnis mit den meisten scheußlichen Waffen in der Weltgeschichte ist", so Beier. Auch Peter Eichers Kritik, Drewermann gehe über die Verbrechen Russlands hinweg, laufe ins Leere: Drewermann habe Anfang März in einem Interview erklärt, er halte den Ukraine-Krieg für ein Verbrechen. Ähnlich wie Papst Franziskus betone Drewermann allerdings, dass die Nato eine Mitschuld an der Entstehung und Eskalation des Ukraine-Krieges habe und mehr Waffenlieferungen zu mehr Opfern statt zu Frieden führten.

Zu dem Vorwurf, Drewermann mache sich durch seine Unterzeichnung des "Neuen Krefelder Appells" mit Querdenkern und Verschwörungstheoretikern gemein, schreibt Beier, Drewermann habe nichts davon gewusst habe, dass auch der Gründer der Querdenker-Bewegung, Michael Ballweg, unter den Unterzeichnenden ist. "Drewermann hat kein Internet, wo er sehen könnte, wer sonst den Appell noch unterzeichnet hat." Er habe ihm gegenüber klargestellt, dass er Ballweg nicht kenne, so Beier. Es sei jedoch verständlich, dass mit der Unterzeichnung der Eindruck entstehe, Drewermann unterstütze alles darin. Als er oben auf dem Appell "Nato raus. Raus aus der Nato" gelesen habe, habe er ihn nur überflogen und unterschrieben, ohne ihn genau zu lesen. "Es wäre Drewermann zu raten, in Zukunft genauer zu prüfen, bevor er Appelle unterzeichnet", so Beier.

Linltipp: Zeitschrift: Eugen Drewermann verbreitet Verschwörungserzählungen

Eugen Drewermann, der Verschwörungstheoretiker? Der Psychotherapeut soll Vorwürfe radikaler Impfgegner unterstützen und gehört zu den Erstunterzeichnern des "Neuen Krefelder Appells", der vor einer kapitalistischen Weltverschwörung warnt.

Auch in die Ecke der Corona-Impfgegner lasse sich Drewermann nicht stecken, betont sein Biograf. Richtig sei, dass Drewermann der mRNA-basierten Impfung "aufgrund des Eilverfahrens und den aus seiner Sicht noch nicht genügend studierten Nebenwirkungen" vorsichtig gegenüberstehe. Das mache ihn nicht zum Impfgegner. Drewermann sei selbst geimpft und habe nie jemanden aufgefordert, sich nicht mit mRNA-Stoffen impfen zu lassen. Stattdessen wende er sich gegen die "spalterische Rhetorik" gegenüber Menschen, die gegen die Sicherheit der mRNA-Impfung Bedenken oder sich gegen eine Impfung und gegen eine Impfpflicht entschieden hätten. Bei seiner Behauptung, die Genesenen seien besser geschützt als die Geimpften, beziehe sich Drewermann auf seriöse Studien. Auch der Schweizer Bundesrat sage das. Dieser werde nicht verdächtigt, gefährliche Verschwörungstheorien zu verbreiten oder unter den Impfgegnern zu sein.

Eugen Drewermann (81) zählt zu den umstrittensten Theologen in der katholischen Kirche. Von 1979 bis 1991 lehrte er als Privatdozent an der Theologischen Fakultät Paderborn. 1991 entzog der Paderborner Erzbischof Degenhardt ihm die Lehrerlaubnis. 1992 erhielt der Theologe ein Predigtverbot, wenig später wurde er vom Priesteramt suspendiert. 2005, zu seinem 65. Geburtstag, trat er aus der Kirche aus. In seinen Büchern legt Drewermann die Bibel vor allem tiefenpsychologisch aus. (mal)