Bischof Oster über den Zölibat und das Leben in seiner Wohngemeinschaft

"Bleibe normales Mannsbild"

Stefan Oster geht durch eine Tür.
Bild: dpa/Nicolas Armer

Jeder Mensch müsse lernen, damit umzugehen und seine Emotionen und Triebe gleichsam zu "personalisieren", sagte Oster. Wenn sich bei einem Verheirateten die ersten Hormonwallungen gelegt hätten, und es tauche eine nette Kollegin auf, dann müsse dieser auch lernen, damit umzugehen. Er selbst habe mit dem Zölibat keine größeren Probleme. Dennoch bleibe die Sehnsucht nach Partnerschaft oder Familie oder einem eigenen Kind. Aber diese Sehnsucht reiche nicht in den Grund der Tiefe, aus der er die Sinnhaftigkeit seines jetzigen Lebens erfahre.

Oster hatte vor seinem Eintritt in den Orden der Salesianer Don Boscos mehrere Jahre eine feste Beziehung zu einer Frau. Wegen dieser "Vorgeschichte", sagte Oster in dem Interview, habe er auch geglaubt, dass er für eine Bischofsernennung gar nicht infrage komme. Umso überraschter sei er schließlich gewesen.

Wohngemeinschaft auf gutem Weg

Der Bischof sieht auch die von ihm gegründete Wohngemeinschaft im Bischöflichen Palais auf gutem Weg: "Wir machen die ersten Gehversuche." Er sei froh, dass es sich bei seinen Mitbewohnern um zwei Leute handele, die ihn schon vorher gekannt hätten. "Und eine Ordensschwester ist auch unverdächtig." Mittlerweile teilten die vier häufig die Mahlzeiten und ein gemeinsames Gebetsleben. In erster Linie solle es eine geistlich geprägte Gemeinschaft sein, so Oster.

Zugleich erläuterte der Bischof den WG-Alltag in Sachen Kochen, Putzen und Waschen. So habe er von Anfang an nicht gewollt, dass seine Mitbewohner für ihn den Haushalt machen sollten. Deshalb komme zu ihm einmal die Woche eine Zugehfrau, die die Wäsche erledige und putze. "Kochen übernehmen weitgehend die Leute, die im Haus wohnen. Die machen für sich was, und ich darf mitessen." Dennoch habe er einen eigenen Kühlschrank, um sich schnell mal Frühstück oder Abendessen zu machen. "Zum Kochen komme ich nicht." Dafür biete er oft an, die Messe zu feiern. "Das ist dann ein bescheidener Teil meines Beitrags."

Bischof Oster hatte die Wohngemeinschaft Anfang Dezember gegründet. Seine Mitbewohner sind die Ordensschwester Conrada Aigner, die als Referentin für Exerzitien und Spiritualität für das Bistum tätig ist, sowie Eckhard Hub (46) und Stefanie Wanner (23), die Oster aus seiner Zeit in der Salesianer-Hochschule in Benediktbeuern kennt. (bod/KNA)

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