Russisch-orthodoxer Patriarch reist nicht zum Weltreligionen-Kongress

Kein Treffen mit dem Papst: Kyrill kommt nicht nach Kasachstan

Aktualisiert am 25.08.2022  –  Lesedauer: 

Moskau ‐ Seit Wochen wird spekuliert, ob sich Papst Franziskus und Patriarch Kyrill am Rande des Weltreligionen-Kongresses in Kasachstan treffen. Doch dazu wird es nicht kommen: Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche wird nicht daran teilnehmen.

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Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. wird nicht am Weltreligionen-Kongress Mitte September in Kasachstan teilnehmen. Das teilte der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Antonij (Sevrjuk), nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur RIA Nowosti (Mittwochabend) mit. Damit kommt es bei der interreligiösen Konferenz nicht zu einer Begegnung von Papst Franziskus mit dem russisch-orthodoxen Kirchenoberhaupt, über die seit Wochen spekuliert wurde. Der Papst reist von 13. bis 15. September nach Kasachstan, um am VII. Kongress der Führer von Welt- und traditionellen Religionen in Nur-Sultan teilzunehmen.

Das Moskauer Patriarchat schätze die Initiativen Kasachstans zur Entwicklung des interreligiösen Dialogs sehr und werde auch mit einer offiziellen Delegation beim Kongress am 14. und 15. September vertreten sein, so Metropolit Antonij. Patriarch Kyrill I. selbst werde aber nicht teilnehmen. "Dementsprechend ist ein Treffen mit Papst Franziskus in Kasachstan nicht geplant."

Treffen könne "nicht am Rande" stattfinden

Laut dem russisch-orthodoxen Außenamtschef könne ein Treffen zwischen Patriarch und Papst wegen dessen besonderer Bedeutung "nicht am Rande" einer anderen Veranstaltung stattfinden – "auch wenn es sich um ein so bedeutendes Ereignis wie den Kongress der Führer der Welt- und traditionellen Religionen handelt".

Bis heute habe es keine offiziellen Kontakte hinsichtlich einer Begegnung von Franziskus und Kyrill in Kasachstan gegeben, zitierte RIA Nowosti den Metropoliten. Eine solche Begegnung müsse "äußerst sorgfältig" vorbereitet werden, die Tagesordnung müsse vereinbart und eine daraus resultierende Erklärung im Voraus durchdacht werden.

Bild: ©Сергей Власов/patriarchia.ru (Archivbild)

Ein Treffen zwischen Patriarch und Papst könne wegen dessen besonderer Bedeutung "nicht am Rande" einer anderen Veranstaltung stattfinden, so der russisch-orthodoxe Außenamtschef.

Auf der Website des Moskauer Patriarchats wurde unterdessen mitgeteilt, dass am Mittwoch ein Treffen zwischen Metropolit Antonij und dem päpstlichen Nuntius in Russland, Erzbischof Giovanni d'Aniello, stattgefunden habe. Man habe "Fragen von beiderseitigem Interesse" erörtert, hieß es. Außerdem sprach Antonij offiziellen Angaben zufolge am Mittwoch mit dem für Kasachstan zuständigen russisch-orthodoxen Metropoliten von Astana, Alexander (Mogilev).

Über ein mögliches Treffen von Papst und Moskauer Patriarch wird seit Monaten spekuliert. Bereits vor dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar war darüber gesprochen worden, nach dem ersten Zusammenkommen 2016 auf Kuba erneut einen neutralen Ort für eine Begegnung zu finden. Zwischenzeitlich sah es so aus, als ob ein Treffen im Rahmen einer Papstreise in den Libanon Mitte Juni stattfinden könnte. Diese Pläne zerschlugen sich jedoch, der Vatikan sagte ab.

Antonij vor Kurzem beim Papst

Ein Treffen wäre "zum größten Teil missverstanden worden", lautete Anfang Mai die Begründung des vatikanischen "Ökumene-Ministers" Kardinal Kurt Koch. Patriarch Kyrill steht international in der Kritik, weil er den russischen Angriff mehrmals öffentlich rechtfertigte.

Metropolit Antonij war am 5. August von Papst Franziskus im Vatikan zu einer Audienz empfangen worden und sprach während seines Rom-Aufenthalts auch mit dem vatikanischen Außenbeauftragten Erzbischof Paul Gallagher. Über konkrete Inhalte wurde damals nichts bekannt. (KNA)