Schweizer Erzbischof war durch scharfe Kritik an deutschen Bischöfen aufgefallen

Früherer österreichischer Nuntius Zurbriggen mit 79 Jahren gestorben

Aktualisiert am 30.08.2022  –  Lesedauer: 

Brig ‐ Im Zusammenhang mit dem bayerischen Kreuz-Erlass fiel er durch seine ungewöhnlich direkte Kritik an deutschen Bischöfen auf: Jetzt ist der ehemalige Vatikanbotschafter in Österreich, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, nach einem Sturz gestorben.

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Der Schweizer Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, bis 2018 Vatikanbotschafter in Österreich, ist tot. Er starb am Sonntag, kurz nach seinem 79. Geburtstag, in seiner Heimatstadt Brig im Wallis, wie das Schweizer Portal "kath.ch" (Montag) meldet. Offenbar war er in seinem Zimmer gestürzt.

Der Schweizer Diplomat vertrat den Heiligen Stuhl seit 2009 in Österreich. Bundespräsident Alexander van der Bellen verlieh ihm zum Abschied das Große Goldene Ehrenzeichen am Bande. 2018 kritisierte Zurbriggen ungewöhnlich direkt die bayerischen Bischöfe und besonders den Münchner Kardinal Reinhard Marx; die Bischöfe, weil sie gegen den Erlass von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) protestiert hatten, in Regierungsgebäuden ein Kreuz aufzuhängen.

"Traurig und beschämt"

Marx warf der Nuntius vor, bei seiner Nahost-Reise 2016 sein bischöfliches Brustkreuz abgenommen zu haben. Er sei darüber "traurig und beschämt", so Zurbriggen. Solche "religiöse Correctness" gehe ihm "langsam auf den Nerv". Er könne nicht nachvollziehen, dass sich katholische Bischöfe dafür schämten, ein Kreuz zu tragen. Marx beschwerte sich laut "kath.ch" später über den Vatikan-Diplomaten.

Zurbriggen wurde am 27. August 1943 geboren und 1969 zum Priester geweiht. Als Germaniker in Rom studierte er an der Gregoriana und an der Päpstlichen Diplomatenakademie. Nach Tätigkeiten als Religionslehrer trat er 1975 in den Diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls. Seine ersten Dienstorte waren die Nuntiaturen in Bolivien, der Bundesrepublik Deutschland, Uruguay, Frankreich und im südlichen Afrika, Lesotho, Indien und Nepal. Er war in Südafrika, als sich das Apartheid-Regime in eine Demokratie wandelte.

1993 wurde Zurbriggen von Johannes Paul II. zum Apostolischen Delegaten in Mosambik im Rang eines Erzbischofs ernannt, als das fragile Land gerade Friedensverhandlungen beschlossen hatte. 1998 wechselte Zurbriggen als Nuntius in die Kaukasus-Republiken Georgien, Armenien und Aserbaidschan und von 2001 bis 2009 in die baltischen Länder Litauen, Estland und Lettland. 2009 ernannte ihn Papst Benedikt XVI. zum Nuntius in Österreich, wo er bis 2018 amtierte. Der Vatikandiplomat sprach Italienisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Englisch. (KNA)