Ein öffentlicher Raum mit einem Kreuz.
Erzbischof Peter Zurbriggen zur Kritik am Kreuz-Beschluss

Nuntius kritisiert deutsche Bischöfe: "Eine Schande!"

Angriff vom Papstbotschafter in Österreich: Erzbischof Peter Zurbriggen kritisiert Deutschlands Bischöfe und Priester scharf - und bekommt dafür Beifall. Es geht um den bayerischen Kreuz-Beschluss.

Bonn/Heiligenkreuz - 02.05.2018

Der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, hat die deutschen Bischöfe für Kritik am bayerischen Kreuz-Beschluss scharf kritisiert. "Als Nuntius, als Vertreter des Heiligen Vaters, bin ich schon traurig und beschämt, dass, wenn in einem Nachbarland Kreuze errichtet werden, ausgerechnet Bischöfe und Priester das kritisieren müssen", sagte Zurbriggen am Montag bei einem Vortrag in der Hochschule Heiligenkreuz im Wienerwald. Das sei "eine Schande, das darf man nicht annehmen!", so der Diplomat unter lautem Beifall seiner Zuhörer. Der gebürtige Schweizer Zurbriggen ist seit 2009 Nuntius in der Alpenrepublik.

Das bayerische Kabinett hatte am Dienstag vergangener Woche das Aufhängen von Kreuzen in allen Dienstgebäuden des Freistaats beschlossen. Sie sollen demnach jeweils im Eingangsbereich als "sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung in Bayern und Deutschland" aufgehängt werden, wie es hieß. Der neue bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte durch den Beschluss eine breite gesellschaftliche Debatte losgetreten. Überwiegend kritische Stimmen aus Politik und Kirche folgten. Unter anderem rügte der Münchner Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Kardinal Reinhard Marx, den Vorstoß Söders.

Auf Marx nahm Zurbriggen indirekt mit einer weiteren Kritik Bezug: "Wenn Bischöfe ins Heilige Land pilgern und sich schämen, das Kreuz zu tragen, aus irgendwelchen Gründen, dann beschämt mich das auch", so der Erzbischof. Im Oktober 2016 hatte der DBK-Vorsitzende bei einer Pilgerreise ins Heilige Land am Jerusalemer Tempelberg auf das Tragen seines Brustkreuzes verzichtet. Die DBK erklärte das Vorgehen später als "Geste der Zurückhaltung" beim Besuch der für Juden und Muslime heiligen Stätten. Zurbriggen weiter: "Und dann denke ich noch an meinen lieben Studienfreund Kardinal Jean-Louis Tauran, der jetzt einen Besuch gemacht hat in Saudi-Arabien, vom König empfangen wurde und ein Kreuz trug, das zweimal so groß war wie meines, was ich hier trage. Das ist Mut!"

Der Nuntius blieb jedoch nicht bei der Kritik an Deutschland stehen: "Auch hier in Wien, in dieser uralten theologischen Fakultät, wo seit 1368 glaube ich Kreuze hingen, sind die aus irgendeinem Grund weggenommen worden", so Zurbriggen. Im Februar war bekanntgegeben worden, dass die Wiener Katholisch-Theologische Fakultät mehrere Hörsäle nicht mehr nutzen und die dortigen Kruzifixe entsprechend abhängen wolle. Da die Vorlesungen künftig in gemeinsam mit anderen Fakultäten genutzten Räumen stattfinden sollen, würden dort auch keine Kreuze mehr hängen. Auch damals hatte sich Zurbriggen kritisch zu Wort gemeldet. "Meine lieben Brüder und Schwestern, diese religiöse Correctness, diese politische, geht mir langsam auf den Nerv", sagte er jetzt in Heiligenkreuz. Mit Stolz nannte der Nuntius in diesem Zusammenhang auch seinen bischöflichen Wappenspruch: "Sancta crux, mihi lux – Das Heilige Kreuz, mein Licht". (tmg)