DBK-Vorsitzender sprach zum Auftakt der Herbst-Vollversammlung

Bischof Bätzing: "Reformen dürfen vor der Lehre nicht Halt machen"

Aktualisiert am 26.09.2022  –  Lesedauer: 

Fulda ‐ Mit einer Auftakt-Pressekonferenz hat in Fulda die Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz begonnen. Der DBK-Vorsitzende Georg Bätzing verteidigte dabei die Reformen des Synodalen Wegs.

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Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, hat die Reformbemühungen des Synodalen Wegs verteidigt. "Reformen dürfen vor der Lehre nicht Halt machen", sagte Bätzing zu Beginn der Herbst-Vollversammlung der DBK am Montag vor Journalisten in Fulda. Die Kirche in Deutschland wolle angesichts der zahlreichen Krisen einen Neuanfang wagen. Eine große Mehrheit der Bischöfe von bis zu 75 Prozent sei zu Reformen bereit. Hier dürfe man sich nicht von der Ablehnung des Grundtextes für eine Erneuerung der Sexualmoral bei der vergangenen Synodalversammlung durch die Bischöfe blenden lassen.

Angesprochen auf Differenzen innerhalb der Bischofskonferenz gab Bätzing zu, dass keine Einmütigkeit bestehe. "Das ist schon seit langem so", sagte der DBK-Vorsitzende mit Verweis auf die Diskussionen um den Kommunionempfang von wiederverheirateten Geschiedenen vor einigen Jahren unter den Bischöfen. Die Bischöfe müssten aufeinander zukommen und Reformen ermöglichen: "Immer nur mit 'Nein' zu stimmen, ist sicher nicht der richtige Weg." Bätzing sprach sich dagegen aus, aufgrund unterschiedlicher Meinungen "Kirchenpolitik" zu betreiben.

Bei dem anstehenden Ad-limina-Besuch im Vatikan im November wolle man die Situation der Kirche in Deutschland ungeschönt darstellen, so Bätzing. Erstmals werde es bei den für nationale Bischofskonferenzen alle fünf Jahre verpflichtenden Gesprächen ein Treffen mit dem Papst und den Leitern verschiedener Dikasterien geben. Dort werde man die Anliegen und Beschlüsse des Synodalen Wegs einbringen. Für die weiteren Gespräche werde man bestimmte Bischöfe als Verantwortliche benennen.

Bonny und Kluitmann sprechen vor Bischöfen über Synodalen Weg

Die Reformen des Synodalen Wegs hätten mit "simpler Zeitgeistigkeit nichts zu tun", verteidigte Bätzing den Dialogprozess. Der Zeitgeist zeige sich vielmehr etwa in einem Rechtsruck der Politik, wie jüngst bei den Parlamentswahlen in Italien, aus denen die rechtskonservative Partei "Fratelli d’Italia" als Sieger hervorging. "Das scheint mir der Zeitgeist zu sein, den man bekämpfen muss." Die Bischöfe hätten sich für eine synodale Kirche entschieden, so Bätzing. Das sei das wichtigste Ergebnis der vierten Synodalversammlung: "Wir haben Synodalität auf Dauer gestellt." DBK-Generalsekretärin Beate Gilles kündigte an, dass der Bischof von Antwerpen, Johan Bonny, seine Sicht auf den Synodalen Weg bei der Vollversammlung darlegen werden. Bonny ist für die belgische Kirche Beobachter des Reformprozesses. Auch die Synodale Schwester Katharina Kluitmann wird vor den deutschen Oberhirten über den Synodalen Weg sprechen.

Noch bis Donnerstag tagen die deutschen Bischöfe in Fulda. Bei der Herbst-Vollversammlung der DBK nimmt die Beschäftigung mit der vierten Synodalversammlung großen Raum ein. Bei dem Treffen der Delegierten des Synodalen Wegs vor zweieinhalb Wochen hatte die Ablehnung des Grundtextes zur Sexualmoral für Aufregung gesorgt. Weil keine Zweidrittel-Mehrheit der Bischöfe zustande kam, wurde das Papier, das eine Erneuerung der kirchlichen Lehre zur Sexualität fordert, abgelehnt. Weitere Themen der Vollversammlung sind unter anderem die Auseinandersetzung mit weiteren Beschlüssen des Synodalen Wegs, die Vorbereitung des im November anstehenden Ad-limina-Besuchs der deutschen Bischöfe im Vatikan und die Neubesetzung des Amtes des Missbrauchsbeauftragten der DBK. Außerdem sprechen die Bischöfe über den politischen Rechtsruck bei den Parlamentswahlen in Italien sowie den anhaltenden Krieg in der Ukraine. (rom)