Aus Protest gegen Verbot der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare

Antwerpener Bischof: Tausende verlassen nach Vatikan-Nein die Kirche

Aktualisiert am 03.05.2021  –  Lesedauer: 

Brüssel/Paris ‐ Tausende Belgier verlassen nach dem Vatikan-Nein zur Segnung homosexueller Paare die Kirche, betont Bischof Johan Bonny. Das vatikanische Papier sei "theologisch schwach" und wirke, "als ob es in der Zeit von Pius XII. geschrieben wurde".

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Aus Protest gegen das vatikanische Verbot der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare verlassen offenbar viele Belgier die Kirche. Der Bischof von Antwerpen, Johan Bonny, sagte laut französischsprachigen Medienberichten (Wochenende) bei einer Online-Konferenz, rund 2.000 Personen hätten die Löschung ihres Taufeintrags in den Registern der flämischen Diözesen beantragt. Ende März hätten etwa 700 vor allem junge und heterosexuelle Katholiken die Pfarreien seiner Diözese verlassen.

Der Bischof beklagte, dass die vatikanische Glaubenskongregation nicht vor der Veröffentlichung des Dokuments Mitte März die Bischöfe und die vatikanische Familienbehörde miteinbezogen habe. Das Papier sei "theologisch schwach" und zeuge von einer "Unfähigkeit, zeitgenössische Entwicklungen in der biblischen, der Sakramenten- und der Moraltheologie" aufzunehmen. "Es ist, als ob es in der Zeit von Pius XII. geschrieben wurde", so Bonny.

Bischof verweist auf Papst-Dokument

Der Bischof verwies auf das Papstdokument "Amoris laetitia" von 2016, das eine Suche nach neuen, positiven Elementen in der Familienseelsorge widerspiegele. Es gehe um keine Ausweitung der sakramentalen Ehe, betonte Bonny; aber "es gibt verschiedene Möglichkeiten, einander zu lieben, aufeinander aufzupassen und Verantwortung in Kirche und Gesellschaft zu übernehmen".

Schon Mitte März hatte der Antwerpener Bischof das vatikanische Verbot zur Segnung homosexueller Partnerschaften in ungewöhnlich scharfen Worten kritisiert. Nach den Skandalen der vergangenen Jahre sei "entscheidend, das Vertrauen der Gläubigen wiederzugewinnen, und deshalb sagen wir belgischen Bischöfe 'genug ist genug!'", sagte er damals. Er schäme sich für seine Kirche und sei wütend. Seiner Position hatte sich auch die Belgische Bischofskonferenz angeschlossen.

Es gelte anzuerkennen, "dass sich die Zeiten geändert haben", so Bonny im März. "Wenn wir von 'Sünde' sprechen, wo es um irreguläre Verhältnisse mit Blick auf unser Eheverständnis geht, so ist davon tatsächlich die Mehrheit unserer Gläubigen betroffen." Es gehe nicht nur um Homosexuelle, sondern um alle, die anders zusammenleben, also auch Geschiedene etc. "Die Hälfte der Kirche in meiner Diözese lebt also demnach in Sünde", sagte der Bischof.

Die Glaubenskongregation hatte im März erklärt, dass die katholische Kirche keine Vollmacht habe, homosexuelle Partnerschaften zu segnen. Zwar sei bei solchen Initiativen "der aufrichtige Willen" zu erkennen, "homosexuelle Personen anzunehmen, sie zu begleiten und ihnen Wege des Glaubenswachstums anzubieten", heißt es in dem Papier. Da aber die Verbindungen von homosexuellen Paaren nicht dem göttlichen Willen entsprächen, könnten sie nicht gesegnet werden. Das sei auch die Position von Papst Franziskus. Das vatikanische Papier führte zu innerkirchlichen Diskussionen und Protesten. (tmg/KNA)