DBK-Auszeichnung von Doku sei "Pinkwashing"

Initiative "#OutInChurch" wirft deutschen Bischöfen Imagekampagne vor

Aktualisiert am 03.11.2022  –  Lesedauer: 

Bonn/Köln ‐ Am heutigen Donnerstag geht der Katholische Medienpreis an die Doku über "#OutInChurch". Doch die Initiative sieht das lediglich als "Imagekampagne" der deutschen Bischöfe. Mahnende Worte gibt es auch von anderer Seite.

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Die Initiative "#OutInChurch" wirft den deutschen Bischöfen vor, ihre Auszeichnung eines Films über queere Menschen in der Kirche sei lediglich eine "Imagekampagne". "Solange seitens der Bischöfe keine konkreten Taten folgen, nimmt #OutInChurch die Verleihung eines Medienpreises als Versuch einer reinen Imagekampagne auf dem Rücken queerer Menschen wahr", heißt es in einer am Donnerstag verbreiteten Stellungnahme: "Das ist dann nichts anderes als Pinkwashing." Pinkwashing bezeichnet ein Vorgehen von Personen oder Unternehmen, die sich lediglich aus Imagegründen vermeintlich mit Menschen unterschiedlicher Sexualität und Geschlechtsidentität solidarisieren.

Anlass der Kritik ist die Verleihung des Katholischen Medienpreises am heutigen Donnerstag in Bonn. In der Kategorie "Fernsehen" erhält die Dokumentation "Wie Gott uns schuf – Coming-out in der Katholischen Kirche" des Autoren-Teams Hajo Seppelt, Katharina Kühn, Marc Rosenthal und Peter Wozny die Auszeichnung. Alle Protagonisten des Films sind auch Teil von "#OutInChurch". Die Initiative ging im Januar zeitgleich mit dem Film an die Öffentlichkeit.

Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Matthias Kopp, sagte auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), dass die Entscheidung über den Preisträger von einer Jury und nicht von den Bischöfen getroffen worden sei. Die Kritik der Initiative wäre also an die Jury zu richten. "#OutInChurch" hingegen kritisierte, die Bischöfe hätten sich die Juryentscheidung "zu eigen gemacht".

#OutInChurch-Film meistgesehene ARD-Doku im ersten Quartal 2022

Auch wenn die deutsche Gesellschaft immer säkularer wird, interessieren kirchliche Themen weiterhin viele Menschen – so auch die Aktion #OutInChurch. Der dazugehörige Film war bis Ende März die meistabgerufene Dokumentation in der ARD-Mediathek.

Bei "#OutInChurch" hatten sich rund 125 Mitarbeitende der katholischen Kirche öffentlich als queer geoutet, also etwa als homosexuell oder transgender. Sie fordern unter anderem eine Überarbeitung der arbeitsrechtlichen Bestimmungen der Kirche, damit zum Beispiel in einer homosexuellen Partnerschaft lebende Beschäftigte keine Kündigung fürchten müssen. Zehn Monate danach sei noch keine der Forderungen – etwa nach einem "diskriminierungsfreien Zugang zu allen Handlungs- und Berufsfeldern in der Kirche" – erfüllt, so die Initiative: "Zahlreiche Bischöfe verweigern bis heute ein Gespräch mit Vertreter*innen von #OutInChurch." Auch zur Preisverleihung sei niemand von der Initiative eingeladen worden.

Um den Umgang mit Sexualität und Geschlechtsidentität geht es auch beim Synodalen Weg. Dort war zuletzt ein Grundlagenpapier zu einer neuen Sexualethik an einer erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit unter den Bischöfen gescheitert. "#OutInChurch" hatte auch eine Debatte um das kirchliche Arbeitsrecht befeuert, das nun liberalisiert werden soll. Die Bischöfe wollen darüber Ende November entscheiden. "#OutInChurch" fordert zudem, dass die Bischöfe sich beim Papst für eine Änderung der kirchlichen Lehre einsetzen sollen.

GKP: Nach Ehrung für "#OutInChurch" konsequent handeln

it der Ehrung der Dokumentation zu "#OutInChurch" auch Konsequenzen in der Kirche einhergehen müssen. Die DBK müsse sich "für die Beseitigung der Missstände" einsetzen, die der prämierte Film vor Augen führe, sagte der GKP-Vorsitzende Joachim Frank am Donnerstag in Köln. Es brauche "bald belastbare Reformen" – eine "Anerkennung ohne Veränderung ist unglaubwürdig und billig".

Der Medienpreis wird gemeinsam von der DBK, der GKP und dem Katholischen Medienverband (KM.) verliehen. Eine Gelegenheit für praktische Konsequenzen hätten die Bischöfe bei der geplanten Reform des kirchlichen Arbeitsrechts, erklärte Frank. Dem aktuellen Entwurf täten indes "Nachbesserungen zur Beseitigung noch diskriminierungsoffener Formulierungen oder zur Berücksichtigung der Geschlechtsidentität" gut. Darüber hinaus forderte Frank eine Revision der katholischen Sexualmoral insgesamt: "Eine Lehre, die Diskriminierungen begründet und fortschreibt, widerspricht dem Kern des christlichen Glaubens und darf keinen Bestand haben." (tmg/KNA)

3.11., 13:40 Uhr: Ergänzt um Kopp.