Nach fünfjähriger Umbauphase wird das Hildesheimer Dommuseum neu eröffnet

Dialog zwischen alt und neu

Aktualisiert am 17.04.2015  –  Lesedauer: 
Kunst

Bonn/Hildesheim ‐ Für Museumschef Michael Brandt ist die Sache klar: "Es ist ein einmaliges Raumensemble entstanden, das zu den spektakulärsten Meuseumsbauten der Bundesrepublik gehört", sagt er. Fünf Jahre haben die Bauarbeiten gedauert – am Freitag wird das Hildesheimer Dommuseum mit einem Festakt neueröffnet.

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Zur Eröffnung mit dem Hildesheimer Bischof Norbert Trelle werden Gäste aus Politik und Gesellschaft erwartet, darunter Niedersachsens Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne). Sie vertritt Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der an der Trauerfeier in Köln für die Opfer der Flugzeugkatastrophe teilnimmt. Für Besucher ist die Ausstellung dann ab Samstag geöffnet – am gesamten Wochenende bei kostenlosem Eintritt.

Künftig wird die Diözese ihren Domschatz, der zusammen mit dem Mariendom zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, auf mehr als 800 Quadratmetern präsentieren. Die neuen Räumlichkeiten befinden sich am hinteren Teil des Hildesheimer Mariendoms, in der ehemaligen Antoniuskirche, die zuvor profaniert worden war, erläutert Dombaumeister Norbert Kessler. Bis zu seiner Schließung war das Dommuseum im zum Dom gehörenden Kapitelhaus über der Sakristei und im angrenzenden Rittersaal untergebracht.

Nach Auskunft von Museumdirektor Brandt bestimmt die Ausstellung ein Dialog zwischen alt und neu. So werde die zum Teil 1.000 Jahre alte Sakralkunst zusammen mit zeitgenössischer Kunst präsentiert. Die frühere Trennwand zwischen Altar und Kirchenschiff zeigt beispielsweise in Reliefs das Opfer Christi. Gegenüber steht wiederum eine moderne Plastik des Göttinger Künstlers Emil Cimiotti. In einem anderen Raum korrespondieren Bildtafeln aus der Zeit der Gegenreformation mit einem Bild des Hildesheimer Künstlers Gerds Finkel.

Zu sehen sind im Museum rund 600 Objekte. Zu den Glanzstücken zählt unter anderem der sogenannte Domlettner, eine fast zehn Meter hohe Chorschranke aus der Renaissance, für die ein eigener Anbau errichtet wurde. Ebenfalls besonders ist ein fast lebensgroßes Kruzifix aus der Zeit um das Jahr 1000. Dass viele Kunstschätze so gut erhalten sind, ist für Brandt ein „einmaliger Glücksfall“. Zu verdanken hat die Diözese dies Bischof Bernward (993–1022), der dem Dom viele Kirchenschätze stiftete.

Ein weiterer Schatz sind die bei den Arbeiten gefundenen Reste der sogenannten Bernwardmauer, die nun ebenfalls für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Den Mauerring hatte Bischof Bernward um den Dombezirk ziehen lassen. Außerdem wurde beim Versuch eines Wanddurchbruchs ein gotisches Fenster gefunden, das nun ebenfalls Teil der Ausstellung ist. Einen weiteren Raum nehmen große Bildteppiche ein, die im frühen 17. Jahrhundert für die französische Regentin Maria von Medici geschaffen wurden. Hier ist auch die Goldene Madonna von Bischof Bernward zu sehen. Weitere berühmte Schaustücke sind das Evangeliar Bernwards (um 1000) und das Große Scheibenkreuz aus dem Jahr 1140.

Für den Um- und Neubau des Museums waren zuletzt 10,4 Millionen Euro eingeplant. Der Anteil des Bistums lag nach eigenen Angaben bei 4,65 Millionen Euro. Unterstützer waren unter anderem der Bund (1 Million Euro) und die Europäische Union (3,5 Millionen Euro). Gleichzeitig mit dem Museum wurde auch der Mariendom renoviert, der bereits im vergangenen August wiedereröffnet worden war. Zuletzt waren die Kosten für das Gesamtprojekt Dom, Domhof und Dommuseum um rund 4 Millionen Euro auf 41 Millionen Euro gestiegen. Welcher Anteil der Kostensteigerung auf das Dommuseum fällt, wird derzeit noch geprüft. Die Stadt und das Bistum Hildesheim feiern in diesem Jahr ihr 1.200-jähriges Bestehen. (mit Material von KNA und dpa)

Von Sophia Michalzik

Das Hildesheimer Dommuseum

Das Dommuseum Hildesheim befindet sich am Domhof 18-21, 31134 Hildesheim. Es ist Dienstag bis Sonntag von 10-17 Uhr geöffnet. Am 24.12. und 31.12. bleibt das Dommuseum geschlossen. Für Erwachsene kostet der Eintritt sechs Euro pro Person, Kinder ab 18 Jahre haben freien Eintritt. Gruppen ab 10 Personen, Studenten, Inhaber von Schwerbehinderten- oder Sozialausweis bezahlen vier Euro pro Person.