Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) ist mit einer Delegation von Vertretern aus Staat und Kirche im Vatikan zu politischen Gesprächen empfangen worden. Nach der Begegnung mit Papst Leo XIV. am Mittwochmorgen sagte Kretschmer vor Journalisten, auch in Rom werde gesehen, dass es "sehr, sehr viele Sorgen um Deutschland" gebe.
Es gehe nach den jüngsten Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin nicht nur um einen Teil des Landes, sondern um Deutschland als Ganzes, so der CDU-Politiker. Nach diesen Wahlen sei klar, dass "wenig so bleiben kann, wie es ist". Ob und wie der Papst sich zur aktuellen politischen Lage in Deutschland geäußert hat, sagte Kretschmer nicht. Er folgte damit dem vatikanischen Protokoll, wonach die Teilnehmer einer Privataudienz anschließend nicht berichten sollten, was der Papst gesagt hat. Der Ministerpräsident dankte Leo XIV. für seine aktive Rolle bei großen Herausforderungen, wie der Künstlichen Intelligenz (KI) und dem Bemühen um Frieden zwischen der Ukraine und Russland. In der weltweiten ethischen Debatte um die KI habe der Papst wichtige inhaltliche Akzente gesetzt, die weltweit Gehör fänden.
Lob für Staat-Kirche-Beziehungen
Kretschmer lobte zudem die Beziehungen zwischen Staat und Kirche in Sachsen und erinnerte an das vor 30 Jahren geschlossene Konkordat zwischen dem Freistaat und dem Heiligen Stuhl. Es bilde den stabilen Rahmen für eine gute Zusammenarbeit in vielen Bereichen. Für die katholische Kirche in Sachsen betonte der Dresdner Diözesanadministrator Andreas Kutschke die Bedeutung des sächsischen Staatskirchenvertrags. "Er sichert unsere Freiheit und schafft die rechtliche Grundlage dafür, dass wir aus unserem Glauben heraus Verantwortung für die Menschen und die Gesellschaft übernehmen können. Diese Freiheit ist für die Kirche kein Privileg, sondern Auftrag und Verantwortung." Kutschke, zuvor Generalvikar und damit Stellvertreter des Bischofs, leitet das Bistum als Übergangsleiter, bis ein Nachfolger für den Anfang September in den Ruhestand gegangenen Bischof Heinrich Timmerevers gefunden ist.
Der Vertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Freistaat Sachsen wurde am 2. Juli 1996 in Dresden unterzeichnet. Er bekräftigt die Religionsfreiheit und die kirchliche Selbstverwaltung. Zudem regelt er den Religionsunterricht, die katholischen Schulen, die theologische Ausbildung sowie kulturelle Belange. In den Jahren nach der deutschen Wiedervereinigung von 1990 schlossen die meisten Länder auf dem Gebiet der einstigen DDR Staatskirchenverträge (Konkordate) mit dem Heiligen Stuhl. Das von der CDU regierte Sachsen war im Juli 1996 das erste, ein Jahr später folgte das damals ebenfalls CDU-regierte Thüringen. Danach unterzeichneten weitere ostdeutsche Bundesländer Konkordate mit dem Vatikan. (KNA)