Einzelgespräche mit vier Männern und drei Frauen

Papst Leo XIV. traf Missbrauchsbetroffene in Lourdes

Papst Leo XIV. betet
Bild: KNA/Vatican Media/Romano Siciliani

Papst Leo XIV. hat in Lourdes mit sieben Betroffenen sexuellen Missbrauchs durch Geistliche gesprochen. Wie der Vatikan am Sonntagabend mitteilte, fanden die Gespräche mit den vier Männern und drei Frauen nacheinander einzeln statt. Sie dauerten insgesamt etwa 90 Minuten. Danach habe es eine gemeinsame Begegnung der Betroffenen mit dem Papst gegeben. Ort der Gespräche war das bischöfliche Haus in Lourdes.

In der Mitteilung heißt es weiter, der Papst habe die Geschichte und das Leiden jeder einzelnen betroffenen Person angehört. Zudem habe er mit ihnen über ihre Vorschläge gesprochen, um derartige Verbrechen künftig zu verhindern. Mit einigen habe er auch kurz gebetet. Bei dem gemeinsamen Treffen habe Leo XIV. schließlich zum Ausdruck gebracht, dass er allen Missbrauchsbetroffenen nahe sei. Er hoffe, daran mitwirken zu können, dass die Gemeinschaft der Gläubigen ein Ort sein könne, wo Männer und Frauen jeden Alters Trost und Heilung finden können. Er habe die Anwesenden gebeten, für ihn zu beten und sie gesegnet.

Einige Teilnehmer äußerten sich anschließend in einem Pressegespräch. Einer bescheinigte dem Papst, dass er es offenbar ernst meine. Es sei eine sehr emotionale Begegnung gewesen. Ein anderer Betroffener sagte, er habe den Eindruck, dass Leo XIV. sehr engagiert und entschieden an dem Problem arbeite. Ein weiterer Teilnehmer berichtete, man habe über Maßnahmen zur Prävention und eine "veränderte Kultur auf allen Ebenen" gesprochen. Der Papst sei überzeugt, dass das Problem eine systemische Dimension habe, die noch nicht überwunden sei. Die Kirche in Frankreich habe da noch viel Arbeit vor sich.

Appell gegen Sterbehilfe und Lichterprozession

Zuvor hatte der Papst in Lourdes hunderte unheilbar Kranke und Menschen mit Behinderung sowie ihre Betreuer getroffen. Dabei sprach er sich leidenschaftlich gegen medizinisch assistierten Suizid aus. "Der Versuchung, unter dem Vorwand falschen Mitleides das Leben zu beenden, muss im Namen der unveräußerlichen Würde des Menschen entschieden widerstanden werden", so Leo XIV. "Es ist unmöglich, das Herbeiführen des Todes als normal anzusehen. Was legal ist, ist nicht zwangsläufig auch sittlich erlaubt!" In Frankreich gilt seit August ein neues Gesetz, das die medizinische Beihilfe zum Suizid bei unheilbar kranken Menschen erlaubt.

Zum Abschluss seines Aufenthalts in dem Marienwallfahrtsort nahm der Papst am Abend an der traditionsreichen Lichterprozession von Lourdes teil. "Wie bewegend ist es, zu sehen, wie das Gottesvolk über Generationen hinweg mit Liebe und Vertrauen auf die liebevolle Einladung der Jungfrau Maria antwortet", sagte Leo. "Wie tröstlich ist es, Christen innig und gläubig Lieder singen zu hören und zu sehen, wie sie mit einer Kerze in der Hand auf ihre himmlische Mutter zugehen, die Mutter, die Jesus am Kreuz auch uns zur Mutter gegeben hat." Seit fast 170 Jahren findet die Prozession jeden Abend statt. Am Montagmorgen sollte der Papst weiter nach Metz reisen, der letzten Station seines viertägigen Frankreichbesuchs. (tmg/KNA)