Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Heiner Wilmer, hat angekündigt, die Moderation der Sitzungen der Vollversammlung abzugeben. "Ich werde schon die Vollversammlung weiter leiten, wie auch den Ständigen Rat", sagte Wilmer am Montag bei einer Pressekonferenz zum Auftakt der DBK-Herbstvollversammlung in Fulda. Er habe in seinen bisherigen Ämtern als Bischof und als Generaloberer der Herz-Jesu-Priester (Dehonianer) gute Erfahrungen damit gemacht, die Moderation von Sitzungen abzugeben. Auch bei den regelmäßigen Treffen des Ständigen Rats habe er das schon ausprobiert. "Ich habe ein großes Vertrauen in wunderbare Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, jetzt natürlich in dem Falle in die Brüder Bischöfe", erklärte Wilmer. "Ich will mich konzentrieren auf den Inhalt und stärker fokussiert sein auf die Dynamik, auch auf die Psychologie in so einer Sitzung, aber auch um noch fokussierter auf die Ziele so einer Konferenz zu sein, und ich bin dabei innerlich deutlich entspannter." Nach seiner Wahl im Frühjahr ist es für Wilmer die erste vollständige Vollversammlung als DBK-Vorsitzender.
Zur geplanten Synodalkonferenz in Deutschland sagte Wilmer, es gebe hier aktuell keine Neuigkeiten. Man warte weiter auf die Recognitio der Satzung aus dem Vatikan. "Und ich hoffe, dass wir bis Ende dieses Jahres eine Antwort erhalten", betonte Wilmer. Die ursprünglich für den November geplante Auftaktsitzung des geplanten neuen synodalen Gremiums auf Bundesebene wurde bereits vertagt.
Frankreich "Labor des neuerwachenden Katholizismus"
In seinem Statement sprach Wilmer auch über das wachsende Interesse am katholischen Glauben in Frankreich. "Ich halte Frankreich inzwischen für das Labor des neuerwachenden Katholizismus", sagte der Münsteraner Bischof. Er sprach von einer "tektonischen Verschiebung". Dafür machte Wilmer vor allem junge Influencer verantwortlich. Diese sprächen über konkrete Themen wie Gebet, Engel, die Rolle des Papstes oder das Verhältnis zu anderen Religionen. Die Influencer sind aus seiner Sicht vor allem schnell, humorvoll und sehr spirituell. Dem Vorsitzenden der französischen Bischöfe, Kardinal Jean-Marc Aveline, dankte Wilmer für dessen Brüderlichkeit und die gute Zusammenarbeit. Anlässlich des Besuchs von Papst Leo XIV. in Frankreich habe er dem Erzbischof von Marseille bereits Grüße per WhatsApp übermittelt.
Bischof Wilmer sorgt sich über einen Rechtsruck in Deutschland und Europa. Dabei forderte er, auf AfD-Wähler zuzugehen und ihnen zuzuhören.
Zur politischen Situation in Deutschland sagte Wilmer: "Das Schlechtreden unseres Landes stimmt mich kritisch. Unser Land ist besser, als es geredet wird." Der DBK-Vorsitzende zeigte sich besorgt über den Rechtsruck in Deutschland und in Europa und warnte vor Populismus von rechts und links. Die Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt und Berlin bezeichnete Wilmer als "Warnhinweis". Der Satz "Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar" gelte nach wie vor, so Wilmer im Hinblick auf die 2024 verabschiedete Erklärung der DBK. Antisemitismus verurteilte der Münsteraner Bischof als "Sünde" und Gefahr für die Demokratie. Zum Umgang mit der AfD erklärte Wilmer, ihm sei klar, dass es auch Katholikinnen und Katholiken gebe, die die Partei wählten. Deshalb brauche es Formate, in denen man diesen Menschen zuhören könne, ohne "Ansagen" zu machen.
In seinem Pressestatement sprach Wilmer zudem über verschiedene Krisen auf dem afrikanischen Kontinent. "Afrika ist für mich der vergessene Kontinent." Im Sudan spiele sich eine vergessene Katastrophe ab, die laut UN die weltweit größte humanitäre und Vertreibungskrise sei. "Wir dürfen den Sudan nicht vergessen", so Wilmer. Auch in Burkina Faso, Mali und Nigeria spiele sich eine Katastrophe ab. Dort gebe es aber keinen Kampf zwischen Christentum und Islam. Die dortigen Bischöfe setzten sich vielmehr für interreligiösen Dialog ein. "Afrika braucht nicht unser Mitleid, Afrika braucht unseren Mut, Ungerechtigkeiten beim Namen zu nennen", erklärte Wilmer. Es dürfe nicht sein, dass der Raubbau von Rohstoffen wichtiger sei als die Sorge für die Menschen.
Heße künftig nicht mehr Flüchtlingsbischof
Zur Neustrukturierung der bischöflichen Kommissionen kündigte Wilmer an, dass der bisherige Sonderbeauftragte für Flüchtlingsfragen, Erzbischof Stefan Heße, sein Amt nach zehn Jahren nicht weiter fortführen werde. Es werde aber ein neuer Beauftragter ernannt. "Diese Rolle, dieses Amt sind unverzichtbar."
Die Bischöfe tagen von Montag bis Donnerstag bei ihrer Herbstvollversammlung in Fulda. Themen sind unter anderem die Sozialenyzlika "Magnifica humanitas" von Papst Leo XIV., Fragen des demokratischen Gemeinwohls, Medizinethik sowie die Aufklärung sexuellen Missbrauchs und Synodalität in der Kirche. Zudem werden die Mitglieder und Vorsitzenden von acht neuen bischöflichen Kommissionen gewählt. (cbr)