Für den emeritierten deutschen Kurienkardinal Walter Kasper ist die Situation bei den Erwachsenentaufen in Frankreich eine Herausforderung für die Kirche. "Es ist mit der Taufe nicht getan", sagte Kasper dem theologischen Portal "communio.de" am Donnerstag. Es müsse Formen der Einführung in den Glauben und Hilfen bei der Integration der Neu- oder Wiederankommenden geben. Gleichzeitig müsse die Kirche hören, was die Neugetauften zu sagen und zu fragen haben. "Das alles kann das kirchliche Leben neu aufmischen und verlebendigen", sagt der Kurienkardinal.
In diesem Zusammenhang sieht er die seit einigen Jahren zu beobachtende Zunahme der Erwachsenentaufen, darunter vieler Jugendlicher, als erstaunlich und überraschend. Dennoch gebe es bislang noch keine "verlässliche, detaillierte Analysen der Motive, welche ungetaufte Menschen veranlassen, sich taufen zu lassen", so der Kardinal weiter. Eine fundierte Antwort auf diese Frage sei deshalb derzeit nur mit Vorsicht möglich.
Zeitenwende für Kirche
Zur Frankreichreise von Papst Leo XIV. sagte Kasper, dass die Kirche in Europa nicht am Ende sei. Sie stehe derzeit an einer Zeitenwende und stelle sich den neuen Herausforderungen "in sympathischer und empathischer Weise". Zugleich habe der Papstbesuch das persönliche Profil des Pontifex gestärkt und der Kirche "eine Stimme in der Welt gegeben und dabei Gehör gefunden", so der Kurienkardinal weiter.
Ob die Entwicklung in Frankreich zu einem grundlegenden Wandel führen werde, könne laut Kasper noch nicht gesagt werden. "Wir dürfen es aber hoffen und auch für uns wünschen". Ihm zufolge müsse die neuzeitliche Säkularisierung nicht nur negativ beurteilt werden, denn sie sage positiv, dass "sie aus dem gesellschaftlich selbstverständlichen Gottesglauben eine Option gemacht hat. So kann aus der Volkskirche eine Entscheidungskirche werden". (mtr)