Schriftstellerin Nora Bossong warnt vor der Vereinnahmung von Religion "von rechts außen". Es könne der Eindruck entstehen, dass Religion ausgrenzend, gewalttätig und feindlich gegenüber Andersgläubigen sei, sagte die 44-Jährige in einem Interview in der aktuellen "Zeit"-Beilage "Christ und Welt". Zwar gebe es solche Anteile auch in monotheistischen Religionen, aber auch "eine einende, friedenbringende Komponente, einen Widerstand gegen übergroße Machtausübung". Das Christentum sei viel mehr als eine Verengung von rechts.
Religion wolle sie daher "nicht den Rechten überlassen", so Bossong. Auch forderte sie zu einem genauen Hinsehen auf – etwa bei "Figuren wie JD Vance, Peter Thiel oder auch Wladimir Putin". Sie bekennen sich öffentlich zu ihrem jeweiligen Christentum. "Wir sollten verstehen, inwieweit das wirkliche Glaubensüberzeugungen sind oder ob Religion nur politisch instrumentalisiert wird", sagte Bossong.
Rechte können sich aber auch gegen Kirchen wenden. In Sachsen-Anhalt, wo die AfD bei der Landtagswahl knapp 44 Prozent der Stimmen erhielt, hat die Partei Pläne, unter anderem Gelder für die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt in Wittenberg zu streichen. "Das wird manche Arbeit der Kirchen erschweren", so Bossong. Sie könne sich ein Szenario vorstellen, in dem viel zerrüttet werde. Zugleich könnten Menschen aber auch stärker zusammenwachsen.
Können Christen AfD wählen?
Offiziell grenzten sich Kirchen von der AfD ab. "Christen können die AfD nicht wählen, weil völkisches Denken nicht mit den christlichen Werten vereinbar ist" laute der Standpunkt. Es gebe aber auch Menschen, die sich selbst als Christen empfinden und mit dem AfD-Programm einverstanden sind.
Die Schriftstellerin, die den Angaben zufolge kurz vor dem Abschluss ihres berufsbegleitenden Studiums der katholischen Theologie steht, betrachtet ihren Glauben selbst als Hilfe im Alltag, etwa um "die Unzumutbarkeiten der Welt" besser zu ertragen. Er mache weniger anfällig, zu verzweifeln und zu verbittern.
Am Mittwoch ist Bossongs neues Buch im Kösel-Verlag erschienen. Es trägt den Titel "Welt mit anderen Mitteln. Für mehr Glauben in erschöpften Zeiten". (KNA)