Nach der Beratung ist vor der Reform
Denn dazu müssten natürlich auch noch Kurien-Experten gehört werden, so Maradiaga. Bei den Beratungen des Kardinalrates, dem er als Koordinator angehört, sei es um Fragen der Kollegialität insgesamt gegangen, darunter auch um das Instrument der Bischofssynode.
Der Rat sollte im Auftrag des Papstes überlegen, wie die Arbeit der Bischofssynode "mit größerer Kontinuität und auch interaktiver, etwa über das Internet", erfolgen könne, sagte Rodriguez Maradiaga. Synodalität sei einer der Aspekte, die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil noch nicht stark weiterentwickelt worden seien. Das Thema der Familienseelsorge sei bei der jüngsten Auftaktsitzung nicht angesprochen worden und stehe noch bevor.
Zu früh für ein Vatikanum III
Zurückhaltend äußerte sich der lateinamerikanische Kardinal zur Rolle eines sogenannten Kurienmoderators, der vor der Papstwahl im März ins Gespräch gebracht worden war. "Wie diese Aufgabe definiert werden könnte, dafür ist es noch zu früh", so Rodriguez Maradiaga. Gleiches gelte für Spekulationen über eine Zusammenlegung von Kurienbehörden. Auch über den Vorschlag eines vatikanischen Finanzministeriums habe das Gremium nicht gesprochen; dazu wolle man zunächst die Arbeit der zuständigen Kommissionen abwarten. Dasselbe gelte für die sogenannte Vatikanbank IOR, die mancher in eine "ethische Bank" umformen wolle.
Eine Absage erteilte Rodriguez Spekulationen über ein Drittes Vatikanisches Konzil. Das Zweite Vatikanum (1962-1965) sei immer noch zu wenig bekannt. Und ein Konzil dürfe nicht nur aus der Akzeptanz einiger Texte, sondern in der aller seiner Dokumente bestehen: "Das steht noch aus; daher glaube ich, dass ein Vatikanum III - oder wie man es nennen will - noch sehr weit ist." Zunächst sei noch eine große Arbeit bei der Umsetzung des letzten Konzils zu leisten.
"Es geht nicht darum, dass wir eine Show vorspielen"
Monsengwo Pasinya sprach am Montag gegenüber Radio Vatikan von einem grundsätzlichen Reformbedarf der Kirche: Die Kirche als ein auf Zukunft ausgerichtetes Hoffnungszeichen trage es als Wesensmerkmal, "dass sie ständig reformiert werden muss". Die acht Kardinäle und der Papst verstünden sich als "Werkzeug des Heiligen Geistes und hoffen, dass wir dessen Willen ausführen," so der Erzbischof von Kinshasa.
Wie sein Kollege Maradiaga sagte auch Monsengwo Pasinya, dass es noch zu früh sei, um über konkrete Schritte zu sprechen. Wichtig sei gewesen, dass jeder Kardinal Ideen und Vorschläge vorgestellt habe. Es gehe jedoch im Kern nicht um das Achtergremium oder darum, eine Show vorzuspielen: "Wir möchten das tun, was der Herr vom heiligen Franziskus erbat: eine neue Kirche aufzubauen. Das wollen wir tun."
Papst beginnt zweite Gesprächsrunde mit Kurienleitern
Unterdessen begann Papst Franziskus am Montag eine zweite Beratungsrunde mit den Leitern der römischen Kurienbehörden. Am Vormittag empfing er den Präfekten der Bildungskongregation, Kardinal Zenon Grocholewski. Nach seinem Amtsantritt im März hatte sich der Papst nacheinander mit den Chefs aller vatikanischen Ministerien zu ausführlichen Einzelgesprächen getroffen, um sich einen Überblick über deren Tätigkeit zu verschaffen. Diese Konsultationen setzt er nun fort.
Der polnische Kardinal Grocholewski leitet die Bildungskongregation seit 1999 und ist damit der dienstälteste Chef einer Kurienbehörde. Seit Beginn des neuen Pontifikates Mitte März bekleidet er dieses Amt "provisorisch". Wie die meisten seiner Amtskollegen ist er noch nicht offiziell von Franziskus im Amt bestätigt worden. Bereits in der vergangenen Woche war Franziskus mit dem Präfekten der Missionsbehörde, Kardinal Fernando Filoni, zusammengetroffen. Regelmäßige wöchentliche Audienzen beim Papst haben nur die Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, und der Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet.
Bestätigungen im Amt erhielten bislang nur Filoni, Müller und der Chef des Laienrates, Kardinal Stanislaw Rylko. Dessen fünfjährige Amtszeit läuft jedoch Ende Februar 2014 aus. Unklar ist derzeit, ob der Papst vor einer endgültigen Bestätigung weiterer Kurienleiter mögliche strukturelle Veränderungen und Zuordnungen abwarten will. Insbesondere beim Laienrat spekulieren Beobachter auf eine Angliederung weiterer Zuständigkeiten, eventuell für Fragen der Familie oder der Krankenpastoral, für die derzeit eigene Ministerien zuständig sind. (luk/KNA)
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