50 Millionen Handzettel
Die katholischen Organisationen kritisierten, das Gesetz ermutige zu Schwangerschaftsabbrüchen. Deshalb wolle man "50 Millionen Handzettel" verteilen. Auch der evangelikale Politiker Marco Feliciano, Präsident der Menschenrechtskommission des Abgeordnetenhauses, verurteilte das Gesetz. Rousseff werde dafür bei den nächsten Wahlen Ende 2014 abgestraft werden, sagte Feliciano laut Medienberichten.
Brasiliens Bischofskonferenz äußerte sich bisher nicht zu dem neuen Gesetz. Katholische Krankenhäuser sind für rund die Hälfte aller durch das öffentliche Gesundheitssystem geleisteten Behandlungen verantwortlich.
Auf die Praxis kaum Auswirkung
Zwar gelte die neue Regelung für öffentliche Krankenhäuser; in der Praxis könnten sich Angestellten katholischer Einrichtungen jedoch aus "persönlichen ethischen Bedenken" weigern, die "Pille danach" abzugeben, so Etelvino Trindade von der "Vereinigung der Gynäkologen und Geburtshelfer".
Auf die Praxis hat das am Freitag im Amtsblatt veröffentlichte Gesetz kaum eine Auswirkung. Bereits jetzt gehört die "Pille danach" zur Versorgung von Vergewaltigungsopfern in öffentlichen Krankenhäusern. Das Präparat muss spätestens 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden, um eine Befruchtung der Eizelle zu verhindern.
Katholische Kritiker wenden ein, dass das Mittel auch eine abtreibende Wirkung haben könne. Die Rechtslage in Brasilien erlaubt auch Abtreibungen, wenn die Schwangerschaft durch eine Vergewaltigung zustande kam. Christliche Organisationen hatten auch diese Möglichkeit in der Vergangenheit kritisiert. (KNA)