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Südafrikas Legende Nelson Mandela ist tot

Abschied von einem großen Mann

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Nelson Mandela im Rampenlicht einer Bühne vor schwarzem Hintergrund.
Bonn - Nein, eine religiöse Figur war Nelson Mandela nicht. Und doch behandelt man ihn als eine Ikone, einen Heiligen. Seine Verehrung hat Ausmaße angenommen, die nur wenigen der "Guten" unter den politischen Führern des 20. Jahrhunderts zuteilgeworden ist: Mahatma Gandhi, Martin Luther King und vielleicht noch John F. Kennedy. Nun ist auch er endgültig abgetreten: Nelson Mandela, schwarzer Widerstandskämpfer gegen die Apartheid; Denkmal; Vater der Regenbogennation Südafrika, ist am Donnerstag im Alter von 95 Jahren an den Folgen seines Lungenleidens gestorben.

Seit Monaten wurde er mehr oder weniger künstlich am Leben gehalten - dennoch: Das ganze Land ist in tiefer Trauer.

Kindheit als Hirtenjunge

Jeder kennt die Biografie, die schon ihren festen Platz in den Geschichtsbüchern hat: Geboren am 18. Juli 1918 in einem Dorf nahe Umtata in der Transkei, der ärmsten Region Südafrikas am östlichen Kap; eine naturverbundene Kindheit als Hirtenjunge. Die methodistische Lehrerin konnte mit seinem Xhosa-Stammesnamen Rolihlahla (etwa "der Unruhestifter") nichts anfangen und nannte ihn "Nelson". Jurastudium und Weitung des politischen Horizonts als Schwarzer im Südafrika der Rassentrennung. Bürgerrechtler, Aktivist und Anführer im Afrikanischen Nationalkongress ANC und seinem bewaffneten Arm, dem "Speer der Nation"; abgeurteilt wegen Terrorismus und Landesverrats und 1964 für lebenslänglich eingesperrt.

Das Bild zeigt einen schlauchähnlichen Gang mit weißen Wänden, von dem Links und Rechts braune Türen abgehen.
In diesem Gefängnis auf Robben Island hat Nelson Mandela 18 Jahre seines Lebens zugebracht.

Als Nummer 46664 "berühmtester Häftling der Welt" auf der Gefängnisinsel Robben Island vor Kapstadt; insgesamt 27 Jahre in Haft, unbeugsam und ungebrochen. Triumphale Freilassung 1990; Protagonist eines gewaltfreien Endes der Apartheid und der Versöhnung statt der Rache; der Friedensprozess auf Messers Schneide; Friedensnobelpreisträger 1993, gemeinsam mit dem einstigen Rassenfeind Frederik de Clerk und daraufhin erster schwarzer Staatspräsident Südafrikas von 1994 bis 1999.

Regenbogennation in der Sackgasse

Zum Millenniumswechsel zog sich Mandela aus der aktiven Politik ins Privatleben zurück. Und blieb doch immer da: als Gewissen der Nation, als Übervater, Elder Statesman. 2007 gehörte er zu den Gründern einer Gruppe von Staatsmännern und -frauen namens "The Elders". Mit dabei Namen wie Kofi Annan, Desmond Tutu oder Jimmy Carter, die noch nicht zum alten Eisen zählen wollten. Das lose Gremium, eine Art Ältestenrat, will seine Erfahrung und Unabhängigkeit einbringen, wo sie in vielen Teilen der Welt nützlich sein kann.

Doch selbst vor Mandelas Haustür, in Südafrika, liegt immer mehr im Argen: Schon Thabo Mbeki, sein Nachfolger als Staatspräsident (1999-2008), konnte nicht mehr sein als ein fahler Schatten seines charismatischen Vorgängers: ein Technokrat im Maßanzug, dem der wirtschaftliche Anschluss Südafrikas an die Länder des Nordens nicht gelang. Die Regenbogennation - das gemeinsame Südafrika von Schwarz, Weiß und "Coloured" - geriet in die Sackgasse.

Dass es unter dem aktuellen Staatsoberhaupt Jacob Zuma besser würde am Kap, konnte niemand ernsthaft hoffen: Zumas schillernder Politikstil, seine politische Biografie und Auftritte sind eher dazu angetan, jene Vorbehalte zu bekräftigen, die das "neue Südafrika" eigentlich vergessen machen wollte. Gewalt, Kriminalität, Korruption, Diskriminierung und Auswanderung der ehemaligen weißen Führungsschicht: nur einige Schlaglichter auf die wachsenden Probleme einer Nation, in der viele schon ein Erfolgsmodell für ganz Afrika schlechthin sahen.

Unvermeidliches Loslassen

Immer wieder wurde Mandela in den vergangenen Monaten wegen einer Lungeninfektion ins Krankenhaus gebracht; das Land konnte sich allmählich in das unvermeidliche Loslassen fügen. Im April sorgte eine umstrittene TV-Schaltung für Grusel und Proteste, die den Greis apathisch inmitten fröhlicher selbst ernannter politischer Erben zeigte. Die Familie zerstritt sich öffentlich in kaum verhohlenem Zerren um den besten Platz an der Sonne des Namens Mandela.

Keiner kann die Zeit anhalten. 95 Jahre sind ein langes Leben. Und dennoch hätte die Nation der 1.000 Denkmäler ihren "Madiba" so dringend weiter gebraucht: den echten - keinen überlebensgroßen auf einem Bronzesockel.

Von Alexander Brüggemann

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