Amthor: Kirchen bleiben unverzichtbare Stützen des Gemeinwesens
Der katholische CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor misst den christlichen Kirchen in Deutschland weiterhin "eine herausragende und zugleich unverzichtbare Rolle für unser Gemeinwesen" zu. "Sie sind nicht nur Orte des Glaubens, sondern auch gesellschaftspolitische Stabilitätsanker, die Orientierung geben, Sinn stiften und Seelsorge leisten", sagte Amthor am Dienstag in einem Interview der Freiburger Bistumszeitung "Konradsblatt". Mit ihren Wohlfahrtsverbänden und Einrichtungen trügen die Kirchen wesentlich zur öffentlichen Daseinsvorsorge bei – von Kindertagesstätten und Schulen über Pflege und Krankenhäuser bis hin zu Wohnungslosenhilfe oder Seniorenarbeit.
"Und auch jenseits dessen dürfen wir nicht vergessen: Christliche Symbole und Traditionen gehören zum kulturellen Fundament unseres Landes. Sie müssen im öffentlichen Raum sichtbar bleiben", so Amthor, der sich 2019 hatte taufen lassen und damit Mitglied in der katholischen Kirche wurde, weiter. Der Sonntagsschutz und ein Wachhalten der Begründungen christlicher Feiertage sei daher ebenso relevant wie auch die generelle Anerkennung der Kirchen als wichtige Partner für eine freie, solidarische und verantwortungsbewusste Gesellschaft.
Amthor gegen "zeitgeistige Opportunität" bei kirchlichen Reformdebatten
Zugleich erklärte Amthor, der seit Mai Staatssekretär im neuen Digitalministerium ist, dass für ihn "als gläubiger Katholik und auch als Christdemokrat" klar sei, dass das christliche Menschenbild als zentrales Wertefundament der deutschen Verfassungsordnung "politischer Kompass und Auftrag" zugleich sei. "Jeder Mensch ist in seiner Würde unantastbar, unverfügbar und frei. Aus dieser Freiheit erwächst Verantwortung für die Gemeinschaft, Solidarität und Nächstenliebe. Diese Werte sind für mich bleibende Werte – auch in einer sich stark wandelnden Welt." Sie trügen die Verfassungsordnung, sicherten gesellschaftlichen Zusammenhalt und könnten zugleich immer auch brückenbauende Wirkung zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft entfalten. "Die Bewahrung und Verteidigung unserer christlichen Werte ist mir auch deshalb ein persönliches Anliegen", so der 32-Jährige.
Mit Blick auf die anhaltenden Reformdebatten in der katholischen Kirche äußerte sich Amthor zurückhaltend. Zwar habe es in der Geschichte der Kirche immer wieder Reformprozesse gegeben und es werde sie sicher auch heute geben: "Aus meiner Sicht entscheidend ist jedoch, dass dabei das große Ganze nicht aus den Augen verloren wird: unser Glaube und die christliche Botschaft, die eben größer ist als die oft zeitgeistige Opportunität politischer und gesellschaftlicher Beliebigkeit." Dies solle man nicht vergessen – "und auch nicht die Begrenzungen von nationalen Reformdiskussionen. Das Prinzip der Weltkirche, das Papstprimat und die Autorität des Vatikans sollte man nicht nur als Spielverderber, sondern auch als Chance sehen", so Amthor. (stz)